Trotz des Erdbebens und tausender Toter setzt das Militär seine Angriffe fort - Helfer schlagen Alarm: Ohne Unterstützung für die Bebenopfer droht eine zweite Katastrophe
Rangun, 02.04.2025 (KAP/KNA) Im Katastrophengebiet nach dem Erdbeben in Myanmar behindern anhaltende Angriffe des Militärs den Einsatz von Helfern. Die Militärregierung lehnt einen befristeten Waffenstillstand in dem Bürgerkriegsland ab. Juntachef Min Aung Hlaing betonte laut örtlichen Medien (Mittwoch), die "notwendigen Verteidigungsoperationen" würden fortgesetzt. Zwar seien einige bewaffnete Gruppen derzeit möglicherweise nicht aktiv in Kämpfe verwickelt, trainierten aber zur Vorbereitung auf neue Angriffe.
Die demokratische Untergrundregierung Myanmars hatte am Sonntag einen einseitigen Waffenstillstand in den von dem schweren Erdbeben betroffenen Regionen verkündet. Mit der Ausnahme von Verteidigungsmaßnahmen würden alle offensiven Militäroperationen für zwei Wochen ausgesetzt, hieß es.
Unterdessen stieg die Zahl der Todesopfer nach dem Beben auf mehr als 2.700, wie die Junta mitteilte. Mehr als 4.500 Menschen wurden demnach verletzt, rund 400 Menschen seien vermisst.
Feuer auf Konvoi des Roten Kreuzes
Truppen der Militärjunta hatten am Dienstag das Feuer auf einen Hilfskonvoi des chinesischen Roten Kreuzes eröffnet. Dieser war unterwegs, um Opfer des Erdbebens in den Regionen Sagaing und Mandalay zu unterstützen. Der Konvoi habe keine Genehmigung der Behörden gehabt, sagte ein Sprecher der Junta.
Der Programmleiter der deutschen Diakonie Katastrophenhilfe, Michael Frischmuth, forderte, die Arbeit von Helfenden dürfe nicht durch Kämpfe gefährdet werden. Erste Hilfsmaßnahmen durch Partner vor Ort liefen derzeit an; ihre Berichte seien erschreckend. "Viele Menschen sind verzweifelt, und sie hat bisher noch keine umfangreiche Hilfe erreicht", so Frischmuth. Durch hohe Temperaturen und fehlendes Trinkwasser drohe nun "eine Katastrophe nach der Katastrophe".
Hitze und fehlendes Trinkwasser
Auch die Teams der Hilfsorganisation Care berichten von einer dramatischen Lage. Rettungsteams suchten weiterhin nach Verschütteten, während funktionierende Krankenhäuser bereits jetzt völlig überlastet seien. Viele Menschen seien ohne Wasser, Nahrung und Schutz vor der Hitze. Hinzu komme eine wachsende Sorge vor einem möglichen Zyklon Anfang April, der die Lage weiter verschärfen könnte.
Einsatzteams von Ärzte ohne Grenzen in Mandalay berichteten von zerstörter Infrastruktur. Die Stromversorgung sei stark eingeschränkt, Menschen benötigten zudem dringend sauberes Wasser und Latrinen. Der anhaltende Konflikt, Kommunikationsausfälle und Zugangsbeschränkungen machen es schwierig, das volle Ausmaß der Schäden und des medizinischen Bedarfs zu ermitteln, teilte die Organisation mit. Auch über die Situation in entlegenen Gebieten sei bislang wenig bekannt.
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