Höheres Firmalter, Spiri-Nights und Erwachsenenfirmungen prägen neue pastorale Zugänge - Wiener Pastoralamtsleiter Beranek: Firmvorbereitung öffnet "konkrete Erfahrungsräume gelebten Glaubens"
Wien, 18.05.2026 (KAP) Das Sakrament der Firmung wird in Österreich zunehmend neu gestaltet. Höhere Firmalter, neue Vorbereitungsformate und ein stärkerer Fokus auf persönliche Glaubenserfahrungen prägen vielerorts die Firmpastoral. "Die frühere Selbstverständlichkeit bricht auf", sagte der Wiener Pastoralamtsleiter Markus Beranek am Montag im Gespräch mit Kathpress. Neben klassischen Firmstunden gewinnen Gemeinschaftserlebnisse, soziale Projekte und spirituelle Großveranstaltungen an Bedeutung. Zudem werde die Firmung in vielen Pfarren und auch den Jugendlichen selbst weniger als punktuelles Fest, sondern stärker als persönlicher Glaubensweg verstanden.
Während die Diözese Feldkirch in Vorarlberg seit einigen Jahren verstärkt auf eine Firmung ab 17 Jahren setzt, hat sich das Firmalter in Wien überwiegend bei 14 bis 15 Jahren eingependelt. Beranek sieht darin unterschiedliche, aber legitime pastorale Zugänge. "Ich kann fast jedem Alter etwas abgewinnen", sagte er. Insgesamt halte er die Firmung in der 8. Schulstufe aber für "nicht so schlecht", da Jugendliche sich in dieser Phase intensiv mit Fragen nach Identität und Zukunft auseinandersetzten.
Österreichweit empfangen derzeit jährlich knapp 40.000 Jugendliche die katholische Firmung, über 7.000 davon in der Erzdiözese Wien - die meisten davon in der Zeit vor oder um Pfingsten. Zwar seien die Zahlen rückläufig, zugleich nehme er aber eine bewusstere Entscheidung wahr, berichtete Beranek. Dennoch sei der "volkskirchliche Grundwasserspiegel" in Österreich weiterhin vergleichsweise hoch. Studien und persönliche Erfahrungen zeigten zudem, dass es bei Jugendlichen nach wie vor eine Offenheit gegenüber Glauben und Kirche gebe.
Gemeinschaftserlebnisse und Erfahrungsräume
Die Vorbereitung auf die Firmung hat sich in vielen Diözesen in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Klassische wöchentliche oder zweiwöchentliche Firmstunden werden zunehmend durch geblockte Veranstaltungen, Wochenenden oder Großevents ergänzt. In mehreren Diözesen gehören mittlerweile sogenannte "Spiri-Nights", Firmlingswallfahrten oder große "Nächte des Feuers" zum festen Bestandteil der Vorbereitung. Allein in der Diözese St. Pölten nahmen heuer mehr als 1.000 Jugendliche an solchen Veranstaltungen teil. In Oberösterreich besuchten rund 330 Firmlinge eine "Spirinight" in Baumgartenberg, in Osttirol kamen zuletzt mehr als 400 Jugendliche zu einer Firmlingswallfahrt zusammen.
Beranek bewertet diese Entwicklung positiv. "Firmvorbereitung soll konkrete Erfahrungsräume gelebten Glaubens eröffnen", betonte er. Besonders soziale Projekte spielten vielerorts eine wichtige Rolle. Häufig engagierten sich Firmlinge bei Lebensmittelaktionen, in Pfarrcafés oder bei Sozialinitiativen. Etliche Gruppen aus Wien und dem östlichen Niederösterreich würden im Zuge der Vorbereitung die Gemeinschaft Cenacolo im Burgenland besuchen, wo Jugendliche Einblicke in Lebensgeschichten von Menschen mit Suchterfahrungen und persönlichen Krisen erhalten.
Begegnung und Beziehung
Eine zentrale Rolle spiele dabei die Gemeinschaft innerhalb der Gruppe. "Ein ganz wichtiger Faktor ist die Peer-Group", sagte Beranek. Jugendliche müssten sich sowohl unter Gleichaltrigen als auch durch die Firmbegleiter angenommen fühlen. Entscheidend sei weniger Wissensvermittlung als das persönliche Glaubenszeugnis. "Nicht so gescheit ist es, wenn Firmvorbereitung einfach noch einmal Religionsunterricht wird", meinte der frühere Jugendseelsorger. Gefragt seien vielmehr Begegnung, Beziehung und konkrete Erfahrungen.
Zunehmend Bedeutung gewinnen nach Einschätzung des Pastoralamtsleiters kirchliche Schulen und soziale Medien. Für viele Jugendliche seien Religionsunterricht und kirchliche Schulen heute die wichtigsten Orte, an denen sie Kirche unmittelbar erlebten. Gleichzeitig werde die digitale Kommunikation immer relevanter. "Viele sind selbstverständlich dort zuerst erreichbar", sagte Beranek mit Blick auf soziale Netzwerke.
Auch die Erwachsenenfirmung gewinnt nach Beobachtung des Experten an Bedeutung. In mehreren Diözesen Österreichs wurden dafür in den vergangenen Jahren eigene Angebote geschaffen. In Wien fanden heuer Vorbereitungskurse des Pastoralamts sowie Firmungen in Pfarren statt; in der Michaelerkirche empfingen zuletzt 34 Erwachsene zwischen 19 und 69 Jahren das Sakrament. Österreichweit gibt es in immer mehr Pfarren Angebote für Erwachsene zur Firmvorbereitung in Kleingruppen. "Das ist sicher ein Zukunftsthema", sagte Beranek. Weil Taufe und Firmung nicht mehr selbstverständlich seien, wachse die Zahl jener, die sich erst später bewusst dafür entschieden.
Begleitung in bewegter Phase
Der Grundgedanke der Firmung bleibe trotz aller Veränderungen derselbe. "Du bist nicht allein", fasste Beranek die zentrale Botschaft des Sakraments zusammen. Der Heilige Geist solle Jugendliche stärken, "ihre Talente und Möglichkeiten zur Entfaltung zu bringen" und Verantwortung für ihr Umfeld zu übernehmen. Gerade in einer "bewegten Lebensphase" könne die persönliche Zusage der Firmung Orientierung geben.
Als besonders prägend erlebt Beranek als vielgefragter Firmspender die bewussten stillen Momente der Firmfeier. Das gemeinsame Gebet um den Heiligen Geist schaffe oft "eine sehr dichte Phase", obwohl viele Teilnehmer einander zuvor kaum gekannt hätten. Tief berühre ihn zudem die persönliche Handauflegung und Salbung. Damit verbinde sich die Zusage: "In dir ist etwas gewachsen, das Wert und Würde hat." Seine zentrale Botschaft an Jugendliche laute daher: "Mach auf dieser Basis etwas aus deinem Leben."
(Diese Meldung ist Teil eines Kathpress-Themenschwerpunkts zum Pfingstfest. Alle Meldungen abrufbar unter www.kathpress.at/pfingsten)