Wiener Kardinal und Bischöfe in aller Welt würdigen früheres Kirchenoberhaupt zum 20. Todestag
Wien/Rom/Warschau, 02.04.2025 (KAP) Am 20. Todestag von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) haben katholische Bischöfe in aller Welt Persönlichkeit und Lebenswerk des polnischen Papstes gewürdigt. Johannes Paul II. sei ein "Fels des Gebetes" gewesen, "ein Mann, der im Gebet verwurzelt war", schrieb der Wiener Kardinal Christoph Schönborn am Mittwoch in den Sozialen Netzwerken. Am früheren Kirchenoberhaupt habe ihn auch immer die von Johannes Paul II. ausgestrahlte und verkörperte "tiefe Stabilität und Ruhe" beeindruckt, so der emeritierte Wiener Erzbischof.
In einem Posting auf der Plattform Facebook berichtete Schönborn von einer seiner stärksten Erfahrungen unter den vielen Treffen mit dem 2005 verstorbenen Papst. "Ich war in Rom, um am Katechismus der Katholischen Kirche zu arbeiten. Zum Abendessen waren wir zu dritt: der Heilige Vater, sein Sekretär Dziwisz und ich. Am Ende des Abendessens ging der Papst - wie immer - in die Kapelle und lud mich ein, mit ihm zu gehen. Nichts Besonderes, aber das Beeindruckendste war, wie ich ihn beten hörte: Er seufzte, er sagte Worte, die ich nicht verstand. Ich erlebte einen Moment mit einem Mann, der im Gebet versank."
Johannes Paul II. war am 2. April 2005 nach fast 27 Jahren im Papstamt gestorben. Der 1920 in Wadowice geborene Karol Wojtyla war der erste Pole auf dem Papstthron und der erste Nicht-Italiener seit 456 Jahren. Ihm wird eine maßgebliche Rolle bei der Beendigung der kommunistischen Herrschaft in seinem Heimatland Polen zugeschrieben. Johannes Paul II. wurde am 1. Mai 2011 von seinem Nachfolger Benedikt XVI. in Rom selig- und am 27. April 2014 von Papst Franziskus heiliggesprochen.
"Er lebte nach der Logik des Evangeliums"
Im Petersdom in Rom wurden am Mittwochnachmittag Pilger und Gläubige aus aller Welt zu einem Gedenkgottesdienst mit dem vatikanischen Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und dem früheren Privatsekretär von Johannes Paul II., Kardinal Stanislaw Dziwisz, erwartet. Dass die Heiligkeit Johannes Pauls II. im Gebet wurzelte, betonte auch der polnische Kurienkardinal Konrad Krajewski in einem Interview für das Online-Portal "Vatican News" (Mittwoch). "Er lebte nach der Logik des Evangeliums und heilte die Welt mit der Logik des Evangeliums", sagte der heutige päpstliche Almosenmeister, der 2005 zu den wenigen Menschen am Sterbebett von Johannes Paul II. gehörte.
Dank Johannes Pauls II. hätten viele Menschen ihren Weg zu Christus gefunden, betonte der Danziger Erzbischof Tadeusz Wojda namens der Polnischen Bischofskonferenz zum 20. Todestag. Der Papst aus Polen sei immer noch in den Herzen der Gläubigen, aber auch vieler anderer Menschen, die Johannes Paul II., auch wenn sie nicht der Kirche angehören, für sein Lebenszeugnis dankbar sind, so der polnische Bischofskonferenz-Vorsitzende. "Johannes Paul II. war zweifellos ein großer Wegweiser auf den Pfaden der heutigen Welt, inmitten verschiedener Schwierigkeiten - nicht nur für die Gläubigen, sondern für alle, die nach der Wahrheit, dem Guten, dem, was die Menschheit aufbaut, und dem, was die Beziehungen aufbaut, suchen", hielt Wojda fest.
Der 1978 zum Papst gewählte Johannes Paul II. zähle zu den prägenden Persönlichkeiten der Welt- und Kirchengeschichte, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, am Mittwoch. "Mit intellektueller Klarheit, pastoraler Nähe und beeindruckender Glaubenskraft hat er Brücken gebaut - zwischen Völkern, Religionen und Generationen." Sein leidenschaftliches Ringen um Freiheit und Würde des Menschen bleibe unvergessen.
Bätzing erinnerte auch an die letzten Lebensmonate des Papstes: Johannes Paul II. habe sein Leiden nicht versteckt und sei nicht verstummt. Gerade dadurch sei er zu einem glaubwürdigen Zeugen des Evangeliums geworden. In seinen letzten Lebensjahren war Johannes Paul II. in seiner Amtsführung zunehmend durch die Parkinson-Krankheit mit Lähmungserscheinungen und Schwierigkeiten beim Sprechen beeinträchtigt.
"Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus!": An diesen berühmten Appell von Johannes Paul II. zu Beginn seines Pontifikats erinnerte Vorsitzender Slowakischen Bischofskonferenz, Erzbischof Bernard Bober, am Mittwoch. Der Papst aus Polen sei "Apostel der göttlichen Barmherzigkeit", "Pilger des Friedens" und für Millionen Menschen ein "Prophet der Hoffnung" gewesen. "Lassen Sie uns den Mut haben, in unserem täglichen Leben Zeugnis für den Glauben abzulegen", rief Bober in seiner Würdigung des vor 20 Jahren verstorbenen Papstes auf.
Gedenkgottesdienste in Polnischer Gemeinde, Zentrum Johannes Paul II., Pfarre zum Heiligen Johannes Paul II. und beim Donaupark-Papstkreuz sowie Vortrag des Historikers Hesemann
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