Festgottesdienst zum 20. Todestag von Johannes Paul II. mit Kardinalstaatssekretär Parolin im Vatikan - Polens Ex-Präsidenten würdigen Beitrag für Weltfrieden - Tod und Begräbnis der Superlative
Vatikanstadt/Warschau, 31.03.2025 (KAP) Am 2. April jährt sich der Todestag von Papst Johannes Paul II. zum 20. Mal. Das Gedenken an den ersten Papst aus Polen wird in Rom und auch weltweit hochgehalten. So gibt es im Vatikan am Mittwoch um 15 Uhr einen Festgottesdienst im Petersdom, den Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin leiten wird. Auch der frühere Privatsekretär von Johannes Paul II., Kardinal Stanislaw Dziwisz, wird laut Vatican News (Montag) teilnehmen. Papst Franziskus, der sich nach seiner Lungenentzündung weiter schonen muss, hatte bereits am 12. Februar in einem Schreiben an Dziwisz seine geistliche Nähe bekundet.
Für die Gedenkmesse werden Pilger und Gläubige aus aller Welt erwartet. Am Abend desselben Tages findet zudem um 21 Uhr eine Gebetswache in polnischer und italienischer Sprache auf dem Petersplatz statt, unter der Leitung von Erzbischof Tadeusz Wojda, dem Vorsitzenden der polnischen Bischofskonferenz.
Eingeladen zu den Feierlichkeiten hatte jüngst Kardinalvikar Baldassare Reina in einer Botschaft an die Gläubigen der Diözese Rom. Das Leben und Wirken Johannes Pauls II. wurde darin als ein "großes Geschenk" bezeichnet, für das es Gott zu danken gelte. Auch Kardinal Parolin hatte sich in der Zeitung "Avvenire" über den 2005 verstorbenen Pontifex geäußert. Dieser sei ein "Gigant", der ein reiches Vermächtnis hinterlassen und den an die Kirche und die Welt gerichteten Aufruf "Öffnet die Türen für Christus" hinterlassen habe.
Walesa: Papst nahm Polen die Angst
Zahlreiche Gedenkfeiern gibt es auch in Polen, wo bereits vorige Woche an der Universität Posen die Konferenz "Jan Pawel II: Geschichte lesen, Geschichte gestalten" stattgefunden hatte. Experten verschiedener Disziplinen diskutierten über den Einfluss von Papst Johannes Paul II. auf Politik, Kultur, Spiritualität und nationale Identität in Polen. Besonders hervorgehoben wurde seine Rolle beim Sturz des Kommunismus in Mitteleuropa und sein Einsatz für den Weltfrieden.
Mehrere der Fachexperten und Zeitzeugen bezeichneten Johannes Paul II. als Wegbereiter politischer Veränderungen. So betonte etwa der britisch-polnische Historiker Norman Davies, dass Johannes Paul II. den Rahmen für die Entstehung der Solidarnosc-Bewegung geschaffen und damit das Klima für die Freiheitsbewegungen in Europa verändert habe. Polens Ex-Präsident Lech Walesa nannte den Papst den zentralen spirituellen Anführer der Solidarnosc und erinnerte an dessen Einfluss auf die Überwindung des Kommunismus. "Er organisierte uns nicht zur Revolution, sondern zur Gebetsgemeinschaft. Erst dann hörte unsere Angst auf."
Ein schriftlicher Beitrag von Polens Ex-Präsident Aleksander Kwasniewski, der sich im Ausland aufhielt, hob hervor, dass Johannes Paul II. rund 40 Treffen mit polnischen Politikern hatte und entscheidend zur Wahrnehmung Europas als gemeinsames Gut beitrug. Polens frühere Premierministerin Hanna Suchocka beschrieb ihn als Visionär, dessen Wahl 1978 eine neue Ära einleitete.
Auch die Relevanz von Johannes Paul II. für die Gegenwart und Zukunft wurde hervorgehoben. Der Kiewer Großerzbischof Swiatoslaw Schewtschuk würdigte ihn als "Papst der Freiheit" und betonte seine Überzeugung, dass die Jugend über die Zukunft ihrer Nation entscheidet. Der Biograf George Weigel warnte vor der heutigen Gefahr des Relativismus und Utilitarismus und betonte, dass Johannes Paul II. eine Freiheit gelehrt habe, die auf Wahrheit, Ordnung und Solidarität basiert.
Weltweite Anteilnahme
Der Todestag von Johannes Paul II. am 2. April 2005 geht in die Geschichtsbücher ein: Mit dem Tod des 84-jährigen Kirchenoberhaupts endete nicht nur eines der längsten Pontifikate der 2.000-jährigen Kirchengeschichte, sondern auch eines, das die Weltpolitik mitgestaltet hatte wie kaum ein anderes. Die öffentliche Anteilnahme an diesem Sterben war weltweit enorm, nachdem sich der Gesundheitszustand des schon Jahre zuvor an Parkinson erkrankten Pontifex in den Tagen davor dramatisch verschlechtert hatte.
Im März 2005 war Johannes Paul II. nach mehreren Krankenhausaufenthalten in den Vatikan zurückgebracht worden, wo er die Kar- und Osterfeierlichkeiten nicht mehr selbst leiten konnte. Am 31. März erlitt er eine schwere Infektion mit hohem Fieber, gefolgt von Herz-Kreislauf-Versagen und Nierenfunktionsstörungen. Trotz intensivmedizinischer Betreuung entschied sich der Papst, seine letzten Stunden in seiner vatikanischen Wohnung zu verbringen und verstarb am 2. April um 21.37 Uhr, Vorabend zu dem von ihm 2000 eingeführten "Barmherzigkeitssonntag" acht Tage nach Ostern.
Die Todesnachricht sorgte weltweit für enorme Anteilnahme. Auf dem Petersplatz versammelten sich Tausende Gläubige, viele von ihnen betend oder mit Kerzen in den Händen. Auch in anderen Ländern fanden Gedenkgottesdienste statt, in Polen kamen viele in Kirchen und auf öffentlichen Plätzen zusammen. Staats- und Regierungschefs, Vertreter verschiedener Religionen und Millionen Gläubige würdigten das Lebenswerk von Johannes Paul II. und seine bleibende Prägung für die Weltkirche sowie auf für politische Entwicklungen, insbesondere in Osteuropa.
Das Begräbnis am 8. April 2005 sollte dann auch zu einem der größten Trauerereignisse der jüngeren Geschichte werden. Rund vier Millionen Pilger reisten nach Rom, um Abschied zu nehmen, und Staatsoberhäupter aus aller Welt feierten die Zeremonie auf dem Petersplatz mit. Besonders symbolträchtig war das Bild des Evangelienbuchs, das auf dem schlichten Holzsarg des Papstes lag und vom Wind geblättert wurde. Bereits kurz nach seinem Tod riefen Gläubige mit den Worten "Santo subito!" nach einer schnellen Heiligsprechung, die schließlich in Rekordzeit erfolgte: 2011 wurde Johannes Paul II. von seinem Nachfolger Benedikt XVI. selig- und 2014 von Papst Franziskus heiliggesprochen.
Von der Untergrund-Theologie zum Oberhaupt der Weltkirche - Schnellste Heiligsprechung der Kirchengeschichte nach einem Pontifikat zwischen Tradition, Dialog und globalem Wandel
Gedenkgottesdienste in Polnischer Gemeinde, Zentrum Johannes Paul II., Pfarre zum Heiligen Johannes Paul II. und beim Donaupark-Papstkreuz sowie Vortrag des Historikers Hesemann
Drei Papst-Besuche in Österreich während des Wojtyla-Pontifikats: Von Hoffnung auf Freiheit 1983 über die Visite des Übergangs und Aufbruchs 1988 bis zum Ruf nach Einheit 1998