Bibelwissenschaflter: Alltags- und Gebetsleben wieder zusammenführen
26.09.202614:06
Österreich/Deutschland/Glaube/Bibel/Gebet
Früherer Wiener Alttestamentler Schwienhorst-Schönberger auf "communio.de": Auftrennung von Leben und Gebet führte zu "verhängnisvollem Prozess geistiger Säkularisation" und zu "Verlust des Gebets in der Neuzeit" - "Immerwährendes Gebet" wiederentdecken
Wien/Freiburg, 26.09.2026 (KAP) Für eine verstärkte Durchdringung von Alltags- und Gebetsleben hat sich der frühere Wiener Alttestamentler, Prof. Ludger Schwienhorst-Schönberger, ausgesprochen. In der Neuzeit sei es durch die Aufspaltung von Glaubens- und Alltagsleben letztlich zu einem "verhängnisvollen Prozess geistiger Säkularisation" gekommen, der auch zu einem "Verlust des Gebets" geführt habe. Dieser Verlust zeige sich darin, dass Gebete oftmals nurmehr als lästige Übung erachtet würden und nicht mehr ihr das gesamte Alltagsleben eines Christen durchwirkender Charakter, schrieb der Bibelwissenschaftler am Samstag in einem Beitrag auf dem Portal "communio.de".
Die frühchristliche Praxis habe Lesung, Meditation, Gebet, christliches Handeln und Kontemplation als einen gesamten Vollzug des Glaubens verstanden. Heute werde diese "Tagzeitenliturgie" kaum mehr gelebt. Eine Kehrtwende machte der Theologe im 5. Jahrhundert aus: Damals wandelte sich die Gebetsform und speziell die Psalmrezitation. Die Kontemplation als Form der Meditation der Psalmen im Stillen sei in den Hintergrund getreten, stattdessen sei immer mehr der Vortrag des Psalms selbst bereits als Gebet verstanden worden.
Schwienhorst-Schönberger: "Damit setzte ein Prozess geistiger Säkularisation ein, der dazu führte, dass das Wort Gottes aus einer in der Gegenwart wirkenden Kraft zu einem Ereignis der Vergangenheit wurde, aus dem dann nur noch die entsprechenden moralischen Konsequenzen für den Alltag zu ziehen sind, worauf dann allerdings auch bald verzichtet werden konnte."
Eine Wiederentdeckung des "Gebets ohne Unterlass" brauche jedoch methodische Anleitung und Übung. Wo diese fehle, setze - wie es in vielen Gemeinden heute der Fall sei - bereits nach wenigen Minuten der Stille "eine Unruhe ein, ein Scharren mit den Füßen, ein nervöses Husten, und eine innere Stimme meldet sich zu Wort, die da sagt: 'Wann geht es endlich weiter!'" So bleibe das Wort Gottes etwas rein Äußerliches und könne seine Kraft nicht entfalten, schloss der Theologe. (Beitrag im Wortlaut: https://www.herder.de/communio/reihen/brot-in-der-wueste-die-bibel-ausgelegt/die-psalmen-und-das-kontemplative-gebet-betet-ohne-unterlass-/)