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Eva Maria Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes
Bild Copyright: © Harald Oppitz/KNA

Deutsche Caritas-Chefin: Sind längst der Lieblingsfeind der AfD

25.09.2026 14:00
Deutschland/Wahl/Politik/Parteien/Kirche/Hilfsorganisationen/Caritas
Dialog mit zahlreicher werdenden AfD-Wählern bleibt für katholische Caritas sehr schwierig, sagt Präsidentin Welskop-Deffaa - Von Linken-Wahlsieg in Berlin überrascht
Bonn, 25.09.2026 (KAP/KNA) Die Präsidentin des Deutschen Caritasverbands, Eva Welskop-Deffaa, sieht große Herausforderungen beim eigenen Umgang mit demokratieabgewandten Menschen, insbesondere in Ostdeutschland. Der Dialog sei für die Caritas nicht immer leicht, sagte Welskop-Deffaa laut Nachrichtenagentur KNA in einem am Freitag auf dem Portal "katholisch.de" veröffentlichten Interview. "Wir sind längst zum Lieblingsfeind der AfD geworden." Die eigene Migrationsarbeit werde etwa seit Jahren von Rechtspopulisten als "Asylindustrie" diskreditiert.

"Insofern sind wir für viele nicht die, denen man zuallererst zutraut, Brücken zu bauen", sagte die Caritas-Chefin weiter. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass Menschen, mit denen wir sprechen, uns persönlich angreifen." Auf diese schwierige Situation müsse man die eigenen Mitarbeiter vorbereiten. "Gleichzeitig wollen wir mit unserer Arbeit weiter Zeugnis geben: dafür, dass alle mehr haben, wenn jeder teilt, und dass es uns gemeinsam besser geht, wenn wir positiv auf den Nächsten zugehen."

"Bedrückt uns als Caritas sehr"

Sie sei erschüttert, dass ein so großer Anteil der Bevölkerung mit den Vorstellungen der AfD übereinstimme, sagte Welskop-Deffaa mit Blick auf die jüngsten Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Die Wahlanalysen zeigten, dass sich in der Wahl der AfD nicht mehr nur Protest ausdrücke, sondern immer mehr Menschen die Partei gerade wegen ihres Programms wählten. "Das bedrückt uns als Caritas natürlich sehr."

Bei der AfD finde man vieles, was offen menschenverachtend daherkomme und dazu angetan sei, die Lebensperspektiven etwa von Menschen mit Behinderung oder Geflüchteten deutlich zu verschlechtern, erklärte die deutsche Caritas-Chefin. Gerade wenn es um menschenfeindliche Positionen gehe, dürfe die Kirche nicht schweigen. "Im Gegenteil: Wir müssen besonders klar sein und kompromisslos für Menschenwürde und Nächstenliebe die Stimme erheben - ohne dabei jedoch andere Menschen niederzuschreien oder abzuwerten."

Große Sorgen wegen Sachsen-Anhalt

Wegen der Lage in Sachsen-Anhalt mache sich die Caritas große Sorgen, "nicht zuletzt, weil die AfD in Sachsen-Anhalt besonders kirchen- und wohlfahrtsfeindlich ist", sagte Welskop-Deffaa. Sollte die Partei in dem Bundesland tatsächlich eine Regierung bilden können, könnte sich das schnell in der Arbeit des katholischen Wohlfahrtsverbands niederschlagen.

In Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sehe sie dagegen vorläufig keine substanziellen Veränderungen. Je nachdem, wie die Regierungsbildung in beiden Ländern ausgehe, könnten die Erwartungen der Wohlfahrtsverbände in einigen Bereichen sogar leichter durchzusetzen sein als bisher, so die Caritas-Chefin.

Von Linken-Wahlsieg in Berlin überrascht

Den Wahlsieg der Berliner Linken mit Spitzenkandidatin Elif Eralp empfindet die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes als Überraschung. "Sie ist eine türkischstämmige, feministische Politikerin, die sich vernehmlich gegen Diskriminierung eingesetzt und Netzwerke gegen Rassismus gegründet hat", sagte Welskop-Deffaa im "katholisch.de"-Interview.

"Angesichts der ständigen Verhetzung von Migranten und Migrantinnen durch die Rechtspopulisten und deren Vorliebe, sich über Geschlechtergleichstellung lächerlich zu machen, hätte ich es nicht mehr für möglich gehalten, dass eine Frau mit einem solchen Profil in Deutschland eine Landtagswahl gewinnen kann", so Welskop-Deffaa. Mit dieser Einschätzung wolle sie nicht infrage stellen, dass es bei der Linken in Berlin ein beachtliches Antisemitismus-Problem gebe, betonte sie. Gleichwohl sehe sie doch einen großen Unterschied zwischen der Linken und der AfD.

"Imitation der AfD bringt nichts"

Die Parteien der demokratischen Mitte sollten den Wahlerfolg der Linken in Berlin näher analysieren, empfahl Welskop-Deffaa. "Man hatte in den vergangenen Jahren mitunter den Eindruck, dass Politiker immer öfter ihren Erfolg in der Imitation der AfD suchten und Parteien drohten, zu einer Art 'AfD light' zu werden." Die Berliner Wahl bestätige "alle, die mit uns gemeinsam davor gewarnt haben, dass das nicht der richtige Weg ist", so die deutsche Caritas-Präsidentin.
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