Nach Messerattacke: Polens Kirche stellt sich gegen Hass auf Ukrainer
25.09.202611:35
Polen/Ukraine/Kirche/Kriminalität/Diplomatie
Entsetzen über tödlichen Angriff eines Ukrainers auf Priester und Gläubige in polnischem Kloster - Primas Polak bittet öffentlich darum, dass krimineller Akt eines Einzelnen keinen Hass hervorruft - Auch ukrainischer Präsident Selenskyj verurteilt die Tat
Warschau, 25.09.2026 (KAP/KNA) Nach der tödlichen Messerattacke in einem polnischen Kloster warnt die katholische Kirche vor Feindseligkeit gegen Ukrainer und Ukrainerinnen. Polens Primas, Erzbischof Wojciech Polak, bat laut Nachrichtenagentur KNA am Donnerstagabend eindringlich darum, "dass dieser kriminelle Akt eines einzelnen Menschen in unseren Herzen keinen Hass und keine Abneigung gegenüber unseren Schwestern und Brüdern aus der Ukraine hervorruft".
Ein 31-jähriger Ukrainer hatte nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft in der Benediktinerinnenabtei im ostpolnischen Jaroslaw einen Priester erstochen und vier weitere Personen teils lebensbedrohlich verletzt. Der Fall löste international Entsetzen aus.
Selenskyj: "Fürchterliches Verbrechen"
Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und die römisch-katholischen Bischöfe der Ukraine verurteilten das Verbrechen und sprachen den Opfern und ihren Angehörigen ihr Mitgefühl aus. Sie stellten zugleich fest, dass der Täter ein ukrainischer Staatsbürger sei. "Jede solche Gewalttat sollte gerecht bestraft werden", schrieben die ukrainischen Bischöfe. Selenskyj sprach von einem "fürchterlichen Verbrechen".
Der Angreifer ging am Donnerstag den Ermittlern zufolge mit einem Messer, das er aus einer Küche im Kloster genommen hatte, auf drei Priester und zwei Gläubige los. Er wurde noch am Tatort festgenommen. Ein Priester erlag im Spital seinen schweren Verletzungen. Ein weiterer Geistlicher musste am Donnerstag zweimal notoperiert werden. Sein Gesundheitszustand gilt weiter als ernst.
Täter kam aus Deutschland
Vizeinnenminister Czeslaw Mroczek erklärte, der Täter sei direkt vor seiner Messerattacke aus Deutschland nach Jaroslaw gekommen. Der Politiker kritisierte Freitagfrüh in einem Radiointerview, dass Russland die Bluttat bereits für seine eigenen Zwecke ausnutze, Hass schüre und versuche, Polen dazu zu bringen, die Unterstützung für die Ukraine zu stoppen. Die Staatsanwaltschaft will den Täter an diesem Freitag vernehmen. Warum er das Verbrechen beging, ist bisher unklar.
Przemysls Erzbischof Adam Szal, in dessen Diözese die 35.000-Einwohner-Stadt Jaroslaw liegt, rief die Gläubigen für Samstag zu Gebeten in den Kirchen auf. "Bitten wir um die Gaben des Friedens, der Einheit und der Brüderlichkeit sowie um Besinnung für diejenigen, die menschliche Tragödien zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzen oder zum Hass aufstacheln wollen", so Szal.
Vier weitere Menschen teils schwer verletzt, mutmaßlicher Täter von Polizei festgenommen - Hintergründe noch unklar - Erzbischof spricht von "Tragödie" und ruft zum Gebet für Betroffene auf