Erzbischof Noradounguian im Interview mit dem "Tiroler Sonntag" über Caritas-Einsatz für aus Berg-Karabach vertriebene Menschen
Innsbruck, 25.09.2026 (KAP) Die Caritas-Armenien ist nach wie im Einsatz für viele aus Berg-Karabach vertriebene Menschen, damit sie in Armenien nachhaltig Fuß fassen können. Das betont der armenische Erzbischof Gevorg Noradounguian, Präsident der Caritas-Armenien, im Interview mit dem "Tiroler Sonntag" (aktuelle Ausgabe). "Inzwischen wurde für die Menschen Wohnraum geschaffen. Was bleibt ist, diesen Menschen eine neue Heimat zu geben, damit sie sich wirklich zu Hause fühlen und sich integrieren können", so der Erzbischof. Die Caritas helfe etwa den Kindern aus Karabach: "Das Allerwichtigste ist diesen Kindern, dass sie in Frieden leben können. Das ist derzeit erreicht, aber der Friede ist sehr fragil. Man spürt, dass die Kinder nach wie vor Angst haben." Aufgabe der Caritas sei es, den Kindern Hoffnung zu geben.
In zwei Kriegen 2020 und 2023 eroberte Aserbaidschan das von mehr als 100.000 Armeniern bewohnte Gebiet von Berg-Karabach zurück. Die armenische Bevölkerung musste Berg-Karabach verlassen.
Seit mehr als 20 Jahren besteht eine Partnerschaft der Caritas Tirol mit der Caritas Armenien. Dazu meinte Noradounguian, dass sich diese Partnerschaft auf zwei Ebenen abspiele: "Die eine ist die finanzielle Unterstützung. Mit Hilfe aus Spendengeldern aus Tirol konnten wir viele hilfreiche Projekte umsetzen. Aber es gibt auch die Ebene der gegenseitigen Zugewandtheit und des Mitgefühls mit den Sorgen der Menschen. Beide Ebenen sind wichtig und gehören zusammen."
Zur Frage, wie seine Vision für die Caritas-Arbeit der nächsten 20 Jahre aussieht, sagte der armenisch-katholische Erzbischof: "Wir müssen weiterhin unserer Sendung treu bleiben: Da sein für die Kranken, Armen und Ausgegrenzten, jenen helfen, um die sich sonst niemand kümmert."
Auf die Beziehungen zwischen der armenisch-katholischen und armenisch-apostolischen Kirche in Armenien angesprochen, berichtete der Erzbischof von guten Beziehungen auf der Ebene der Kirchenleitungen. Im Miteinander der Menschen dagegen habe er manchmal den Eindruck, "dass die armenisch-katholische Kirche als eine Art Splittergruppe angesehen wird".
Zur Frage, was die Menschen im Westen von Armenien lernen können, sagte der Erzbischof, dass die Familie in Armenien noch einen größeren Stellenwert habe. "Vielen sind die familiären Beziehungen gewissermaßen heilig. Die Familien sind groß und von Warmherzigkeit, Verbundenheit und Solidarität geprägt. Das habe ich in manchen westlichen Ländern anders erlebt."