Expertenvorträge und Austausch u.a. über sinkende Geburtenraten, Kinderlosigkeit, Reproduktionsmedizin, Einsamkeit im Alter sowie Fragen am Lebensende
Salzburg, 25.09.2026 (KAP) Die Auswirkungen des demografischen Wandels auf bioethische Fragen stehen im Mittelpunkt der 5. Salzburger Bioethik-Dialoge, die am 20. und 21. November in der Großen Aula der Universität Salzburg stattfinden. Die vom Salzburger Ärzteforum für das Leben veranstaltete Tagung beschäftigt sich unter anderem mit sinkenden Geburtenraten, Kinderlosigkeit, Reproduktionsmedizin, Einsamkeit im Alter sowie Fragen am Lebensende.
Zum Auftakt am Freitag sprechen der Arbeits- und Sozialrechtler Wolfgang Mazal über die demografische Entwicklung in Österreich und der US-amerikanische Demograf und Datenwissenschaftler Stephen J. Shaw über den weltweiten "Birth Gap" und dessen Folgen. Am Samstag stehen mehrere Themenblöcke zu Kinderwunsch, Reproduktionsmedizin, Alter und demografischer Politik auf dem Programm.
Negative Geburtenbilanz
Die demografische Entwicklung zeigt sich auch in Österreich deutlich: 2025 wurden 76.067 Kinder geboren, während 87.902 Menschen starben. Damit fiel die Geburtenbilanz zum sechsten Mal in Folge negativ aus; die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau sank auf 1,30, während das Durchschnittsalter bei der Geburt des ersten Kindes auf 30,1 Jahre stieg.
Zugleich zeigen Analysen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, dass der Kinderwunsch vielfach größer ist als die Zahl der tatsächlich geborenen Kinder. Als Gründe gelten unter anderem finanzielle Unsicherheit, steigende Wohn- und Lebenshaltungskosten, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Veränderungen bei Partnerschaften sowie der spätere Zeitpunkt der Familiengründung.
Kinderlosigkeit und -wunsch
Ein Schwerpunkt der Bioethik-Dialoge ist die Frage nach den Ursachen von gewollter und ungewollter Kinderlosigkeit sowie nach den Möglichkeiten und Grenzen der Reproduktionsmedizin. Die Psychologin und Logotherapeutin Anna Kalender spricht über Kinder als "Zumutung und Sinnstiftung". Der Chemiker und Umweltwissenschaftler Pete Myers widmet sich möglichen ökologischen Ursachen ungewollter Kinderlosigkeit. Weitere Beiträge behandeln unerfüllten Kinderwunsch sowie Verfahren wie Social Egg Freezing.
Mit ethischen Fragen rund um den Umgang mit Fruchtbarkeit befasst sich die Bioethikerin Susanne Kummer, Direktorin des IMABE-Instituts. Ihr Vortrag trägt den Titel "Kinderschwund und Kinderwunsch - bioethische Fragen zu Social Egg Freezing & Co.". Der Sexualpädagoge und Paarberater Lukas Golla spricht über "Fertilität als Ressource - ein neuer Zugang".
Neue "Pandemie"
Ein weiterer Themenblock ist dem Alter gewidmet. Der Heidelberger Gerontologe Andreas Kruse spricht über "Isolation und Einsamkeit im Alter - eine neue 'Pandemie' und ihre Folgen". Daran schließt ein Vortrag der Nationalratsabgeordneten und OSZE-Sonderbeauftragten für demografischen Wandel und Sicherheit, Gudrun Kugler, über "Politik und Verantwortung in der demographischen Krise" an.
Die Veranstaltungsreihe richtet sich neben Ärzten auch an Beschäftigte und Auszubildende aus Pflege, Psychologie, Psychotherapie, Lebens- und Sozialberatung, Sozialarbeit und Seelsorge sowie an Interessierte aus Politik und weiteren Fachbereichen. Für die Teilnahme an beiden Tagen wurden Fortbildungspunkte der Österreichischen Ärztekammer angerechnet. Die Teilnahme an beiden Kongresstagen kostet regulär 130 Euro, ermäßigt 60 Euro. (Infos & Anmeldung: www.bioethik-dialoge.at)