Erzbischof van Megen verweist im KNA-Interview auf klare Haltung der deutschen Bischöfe zur Unvereinbarkeit der in Teilen rechtsextremen AfD mit dem Christentum, betont aber gleichzeitig die Notwendigkeit das Gespräch mit deren Wählern zu suchen - Nuntius über "Synodalen Weg": Kirche in Deutschland "läuft immer ein bisschen voraus"
Berlin, 23.09.2026 (KAP/KNA) Gerade angesichts des wachsenden Zuspruchs für die AfD sollte man nach Ansicht des neuen Papst-Botschafters in Deutschland weiter das Gespräch mit deren Wählern suchen. "Man muss verstehen, warum sie so wählen", sagte Nuntius Erzbischof Hubertus van Megen am Mittwoch im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin. Zugleich verwies er auf die klare Haltung der deutschen katholischen Bischöfe zur Unvereinbarkeit der in Teilen rechtsextremen Partei mit dem Christentum.
Mit Blick auf einen möglichen Umgang der Kirche mit AfD-Vertretern in Regierungsämtern sagte van Megen: "Ich bin Diplomat und habe in Ländern gelebt, wo es keine Demokratie gab und gibt - im Gegenteil. Trotzdem musste ich Kontakt zu dieser Regierung halten, um doch noch etwas erreichen zu können." Seine Erfahrung sei: "Wenn man überhaupt keinen Kontakt hat und sagt, ich spreche mit diesen Leuten nicht, dann verhärtet sich die Lage oft noch mehr." Seit Ende Juli ist Erzbischof van Megen offiziell in Deutschland als Nuntius im Amt. Zuvor war er 16 Jahre in Afrika tätig, zuletzt als Papst-Botschafter in Kenia und Südsudan.
In Sachsen-Anhalt könnte es möglicherweise demnächst eine AfD-Regierung geben. Es sei eine schwierige Situation, so van Megen. "Es hängt auch immer davon ab, ob man noch Hoffnung hat, dass sich etwas ändern könnte, wenn man miteinander spricht." Normalerweise äußere er sich nicht zu innenpolitischen Themen. "Aus deutscher Sicht verstehe ich jedoch die Ängste, auch aus der Geschichte heraus", sagte der gebürtige Niederländer.
Der kritische Blick Roms
Innerkirchlich warb der neue Nuntius im KNA-Interview um Verständnis für den teils kritischen Blick Roms auf die Reformbemühungen der katholischen Kirche in Deutschland im Rahmen des Synodalen Wegs. "Wahrscheinlich ist es die Angst, dass die Kirche zu einer Gremienkirche wird, wo alles diskutiert werden muss und man nur noch von einem Meeting zum nächsten rennt", sagte er. "Vielleicht ist es auch die Sorge, dass es eine protestantische Kirche wird."
Zugleich betonte er: "Das Gute ist, dass die deutschen Bischöfe alle Reformvorschläge vom Synodalen Weg in Rom vorlegen. Daran merkt man, dass die Kirche in Deutschland keinen Alleingang möchte, sondern sich als Teil der Universalkirche versteht."
Deutsche Kirche "läuft immer ein bisschen voraus"
Es entstehe manchmal der Eindruck, die Kirche in Deutschland "läuft immer ein bisschen voraus", so der Nuntius. "Ein großer Teil der Kirche schaut zu und sagt: 'Was geschieht da in Deutschland?' Und sie wissen nicht genau, wie sie damit umgehen sollen. Vielleicht wird man im Nachhinein sagen: 'Oh, die Deutschen waren wirklich Pioniere einer neuen Kirche.' Ich weiß es nicht."
Van Megen kündigte an, dass er Ende Oktober nach Rom fahren wolle, um sich in den beteiligten vatikanischen Behörden zu erkundigen, wie weit die Diskussion über die Approbation der Satzung für die künftige Synodalkonferenz vorangekommen ist. Das neue Gremium, in dem deutsche Bischöfe und Laien gemeinsam beraten und beschließen sollen, ist eine Frucht des Synodalen Wegs zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland.
Gefragt, ob eine approbierte Satzung auch ein Signal aus Rom an jene Bischöfe sei, die sich aus dem Reformprozess zurückgezogen haben, sich dem neuen nationalen Gremium wieder anzuschließen, antwortete der Nuntius: "Ich denke nicht, dass Rom ihnen eine Pflicht zur Teilnahme auferlegt. Aber ich würde es als Bischof noch einmal bedenken. Wenn nämlich Rom sagt: 'Es ist okay', dann kann man als Bischof noch Zweifel haben, aber schließt sich doch wieder an, weil Rom nichts dagegen hat." Der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki sowie die Bischöfe Rudolf Voderholzer (Regensburg), Stefan Oster (Passau) sowie der damalige Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hatten sich aus dem Reformprojekt Synodaler Weg zurückgezogen, weil sie die Einheit mit Rom gefährdet sehen.
Mit Blick auf die allgemeine Situation der Kirche in Deutschland sagte van Megen: "Ich glaube nicht, dass es in absehbarer Zeit zu einer breiten Bekehrung der Bevölkerung kommt. Die Kirche hat eine Botschaft, klar, die Botschaft von Jesus Christus. Aber die Gesellschaft hat kein Interesse daran", so der Nuntius. "Und man sollte auch nicht die Illusion haben, wenn ich mich als Kirche nur genügend anpasse, dann rette ich es irgendwie. Das wird so nicht geschehen."