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Bild Copyright: © Sonntagsblatt/Gerd Neuhold, Gerd Neuhold

Diözese Graz-Seckau setzt auf Berufungen und neue Leitungsstruktur

21.09.2026 13:22
Österreich/Kirche/Personal/Organisation
Erstmals in Österreich vorgenommene Installierung eines Diözesandirektors soll Verantwortung stärker teilen und unterschiedliche Perspektiven zusammenführen
Graz, 21.09.2026 (KAP) Auf mehr Zusammenarbeit, eine stärkere Orientierung an Berufungen und eine neue Leitungsstruktur setzt die Diözese Graz-Seckau im Arbeitsjahr 2026/27. Seit September wird das Generalvikariat erstmals von einer Doppelspitze geführt: Weihbischof Johannes Freitag ist als Generalvikar für pastorale Themen und die Beschäftigten zuständig, Lukas Grangl als Diözesandirektor für Organisation, Ressourcen, Steuerung und das Laienpersonal. Die Struktur in der von Bischof Wilhelm Krautwaschl geführten steirischen Diözese ist in dieser Form österreichweit einzigartig.

Bei den am Montag in Seckau gestarteten Priestertagen zum Auftakt des neuen Arbeitsjahres erläuterten Freitag und Grangl die inhaltlichen und organisatorischen Perspektiven für die kommenden Jahre. Freitag stellte in seinem Bischofsreferat "Gemeinsam Kirche sein - aus der Kraft der Berufung" die Frage nach der Sendung der Kirche und dem Zusammenwirken unterschiedlicher Berufungen in den Mittelpunkt.

"Gott schenkt seiner Kirche die Fülle an Berufungen, die sie braucht", sagte Freitag. Dazu gehörten Priester, Diakone, Ordensleute, hauptamtliche pastorale Mitarbeiter und Ehrenamtliche. Berufung verwirkliche sich aber auch in Familien, Berufen und gesellschaftlicher Verantwortung. "Die Vielfalt der Berufungen ist daher kein Problem, das gelöst werden muss, sondern ein Geschenk, das entdeckt werden will", so der Weihbischof.

Priester sollen Aufgaben abgeben

Angesichts rückläufiger Priesterzahlen und wachsender Aufgaben rief der Weihbischof zu einer veränderten Zusammenarbeit auf. Gerade Priester müssten nicht alle Aufgaben selbst übernehmen, sondern andere befähigen, ihre Berufung zu leben. Der priesterliche Dienst bleibe dabei für die katholische Kirche unverzichtbar. Seine Würde hänge jedoch nicht von der Zahl der übernommenen Aufgaben ab. Freitag verwies zugleich auf Priester aus anderen Teilen der Weltkirche, die die Diözese unterstützten. Die Zukunft dürfe aber nicht allein unter dem Gesichtspunkt einer "priesterlichen Grundversorgung" betrachtet werden.

Auch Pfarre, Seelsorgeraum, Region und Diözese sollten stärker als miteinander verbundene Ebenen verstanden werden, so Freitag. Nicht jede Pfarre müsse alles anbieten. Unterschiedliche Schwerpunkte könnten zum größeren Ganzen beitragen. Die Region solle künftig verstärkt Vernetzung, Weiterbildung und gemeinsame Verantwortung ermöglichen.

Als Voraussetzung für dieses Miteinander bezeichnete Freitag eine "hörende Kirche". Synodalität bedeute, auf Gott, aufeinander und auf die Zeichen der Zeit zu hören. Unterschiedliche Sichtweisen müssten ausgesprochen werden können, zugleich brauche es die Bereitschaft, einander verstehen zu wollen.

Neue Doppelspitze im Generalvikariat

Die neue Leitungsstruktur soll diese Zusammenarbeit auch auf Ebene des Generalvikariats abbilden. Freitag übernimmt als Generalvikar vor allem die pastorale Verantwortung, Grangl die Bereiche Organisation, Ressourcen, Administration und Verwaltung. Diözesanbischof Krautwaschl gibt die Richtung vor, während das Leitungsteam für die operative Umsetzung verantwortlich ist.

Grangl bezeichnete das neue Amt als "Dienst an der Zukunftsfähigkeit unserer Diözese". Der Diözesandirektor wolle eine Brücke zwischen pastoraler Wirklichkeit, strategischer Entwicklung und der verantwortungsvollen Gestaltung der Ressourcen bilden. "Gute Rahmenbedingungen sind kein Selbstzweck. Sie schaffen Freiräume für die Sendung der Kirche", so Grangl in seiner Rede zum Auftakt des Arbeitsjahres.

Für das Generalvikariat nannte er vier Schwerpunkte: die Kirche vor Ort stärken, Menschen gewinnen, fördern und begleiten, Verantwortung gemeinsam tragen sowie Ressourcen nachhaltig einsetzen. Die neue Struktur solle ausdrücklich nicht zu mehr Zentralisierung führen. Ziel sei vielmehr, Pfarren, Seelsorgeräume und Regionen in ihrer Verantwortung zu stärken.

Zuhören, Verantworten und Überblick wahren

Auch die Ressourcenfrage müsse von der Seelsorge her gedacht werden. "Die Perspektive der Pastoral und die Perspektive der Organisation dürfen keine Gegensätze sein", sagte Grangl. Entscheidungen müssten sich daran orientieren, wie qualitätsvolle Seelsorge vor Ort gewährleistet und Kirche für die Menschen da sein könne.

Für seinen eigenen Dienst nannte Grangl drei Haltungen: zuhören, Verantwortung übernehmen und das Ganze im Blick behalten. Gemeinsam mit Freitag wolle er im kommenden Jahr alle Seelsorgeräume der Diözese besuchen. Dabei sollen Erfahrungen vor Ort aufgenommen, Herausforderungen erkannt und notwendige Unterstützung auf diözesaner Ebene ermittelt werden.

(Website Diözese Graz-Seckau: www.katholische-kirche-steiermark.at)
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