Caritas Spes: Solidarität Westeuropas für Ukraine weiter notwendig
22.09.202612:30
Österreich/Kirche/Krieg/Hilfsorganisation/Ukraine
Stv. Geschäftsführerin Voichyk im Kathpress-Interview über humanitäre Hilfe und internationale Unterstützung der Ukraine - Zusammenhalt auch in Europa nötig
Wien, 22.09.2026 (KAP) Viereinhalb Jahre nach Beginn des Großangriffs Russlands auf die Ukraine bleibt die dortige humanitäre Situation höchst angespannt. Das hat Olena Voichyk, stellvertretende Geschäftsführerin der Caritas Spes Ukraine, am Dienstag im Interview mit der Nachrichtenagentur Kathpress dargelegt. Die humanitären Bedürfnisse hätten sich allerdings verändert, je länger der Krieg andauerte, so die Helferin; weiterhin sei das Land auf internationale Unterstützung angewiesen.
Wurden laut Voichyk zu Kriegsbeginn vor allem Lebensmittel benötigt, liege heute das Schwergewicht auf Wiederaufbauhilfe und psychologischer Unterstützung. Zudem unterstütze die Caritas Spes die Bevölkerung auch dabei, kleinere Unternehmen zu gründen. Dies hänge eng mit der ukrainischen Mentalität zusammen: "Die Menschen sagen, dass sie sehr dankbar für unsere Hilfe sind, aber nicht als Bettler leben und stattdessen ihr eigenes Geld verdienen wollen."
Angesprochen auf die nachlassende westliche Unterstützung aufgrund einer gewissen "Kriegsmüdigkeit", zeichnet sich für Voichyk ein zwiespältiges Bild. Die Ukraine brauche dringend weiterhin Geduld und Unterstützung des Westens, für den das Land durchaus die Funktion eines "Schutzschildes" zu Russland einnehme. Würde dieses fallen, drohe eine Ausweitung des Krieges, hatte die Kiewerin zuvor auch gegenüber dem Nachrichtenportal Vatican News dargelegt, aus Anlass des Renovabis-Kongresses im bayerischen Freising.
Umso wichtiger sei die weiterlaufende Solidarität von kirchlicher Seite, die sie bei Renovabis deutlich gespürt habe - "dass die Unterstützung gerade von der Kirche sehr groß bleibt", wie Voichyk gegenüber Kathpress unterstrich. Rufe nach einem "Frieden um jeden Preis" habe sie dort keineswegs vernommen. Dennoch sei für sie ohnehin klar, dass die Ukraine bereits "einen hohen Preis gezahlt hat". Zumal weiter die eigene Zukunft auf dem Spiel stehe, dürfe das Land nichts abgeben.
Russland-Wahl als "Symbolbild"
Mit Blick auf die jüngsten Parlamentswahlen in Russland sprach die stv. Caritas-Spes-Geschäftsführerin von einem "Symbolbild" für die politische Situation im Nachbarland. Die Wahlen waren bereits im Vorfeld kritisiert worden, etwa dass internationale Beobachter entweder nicht teilnehmen durften oder teils in den Wahllokalen festgenommen wurden. Die Einschätzung der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas, der Wahlvorgang sei ein "schweren Rückschlag für die russische Demokratie", teilte auch Voichyk. Zum Ausdruck gekommen sei, dass die Menschen in Russland wie auch in Belarus "nicht selbst entscheiden können".
Weiterhin nicht geschwunden sei in der Ukraine das enorme Zusammenhalts-Gefühl, das Kraft für den weiteren Widerstand gegen Russland gebe und auch europaweit nicht verloren gehen dürfe. Auch der Einsatz für Menschen in großer Not sei für sie eine Kraftquelle - auch hinsichtlich ihres eigenen Verbleibs vor Ort, so die stellvertretende Geschäftsführerin der Caritas Spes. Sie und ihre Familie hätten sich daher entschieden, trotz der anhaltenden Gefahr durch die ständigen Drohnen- und Raketenangriffe weiter in ihrer Heimatstadt Kiew zu blieben.