KAÖ-Vizepräsidentin Renner nach Symposium in Puchberg bei Wels: Dialog und gemeinsam getroffene Entscheidungen "Frage der Glaubwürdigkeit einer geschwisterlichen Kirche"
Wien/Linz, 17.09.2026 (KAP) Die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) fordert die österreichischen Bischöfe auf, die bestehenden Möglichkeiten für synodale Entscheidungsprozesse stärker zu nutzen. Nach dem Symposium über die weitere Umsetzung der Weltsynode im Bildungshaus Schloss Puchberg sieht die KAÖ insbesondere in der verbindlichen Beteiligung verschiedener Gruppen innerhalb der Kirche einen konkreten Handlungsauftrag.
"Die Praxis der gemeinsam getroffener Entscheidungen, die Ergebnis eines Dialogs sind, muss kirchlich auf allen Ebenen implementiert werden", erklärte KAÖ-Vizepräsidentin Katharina Renner. Dies sei auch eine Frage der Glaubwürdigkeit einer geschwisterlichen Kirche. Nun sei die Zeit gekommen, in den Diözesen synodale Versammlungen einzuberufen, bei denen Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien gleichberechtigt mitreden könnten.
Mehr Verbindlichkeit gefordert
Die Mitsprache müsse nach Ansicht der KAÖ verbindlichen Charakter haben und auch die oberste Leitungsebene der Kirche einbeziehen. "Die Leitungsebene muss Synodalität konsequent wollen und leben, denn erst wenn die Leitungsebene sich zur Synodalität bekennt, zieht der Rest der Kirchenstruktur nach", betonte Renner. Dies könne auf Grundlage der bestehenden kirchenrechtlichen Möglichkeiten bereits jetzt umgesetzt werden.
Damit griff die KAÖ Aussagen des Belgrader Erzbischofs und Kardinals Ladislav Nemet zum Abschluss des Symposiums auf. Nemet hatte am Mittwochabend für einen offeneren Umgang der Kirche mit demokratischen Prinzipien plädiert. Die Kirche sei zwar "keine Demokratie" im engeren Sinn, doch gebe es Parallelen etwa bei Partizipation, Repräsentation, Transparenz und Verantwortlichkeit. Zugleich stellte der Kardinal die Frage, warum die Kirche Demokratie nach außen verteidige, sich innerkirchlich aber davon abgrenze.
"Wie viele Bischöfe haben den Mut, etwas zu tun?"
Als Hindernis für Veränderungen nannte Nemet Ängste innerhalb der Kirche, etwa vor Ausgrenzung, Veränderungen in Liturgie und Lehre oder davor, nicht verstanden zu werden. Zugleich verwies er auf die bereits bestehenden Handlungsspielräume innerhalb der kirchlichen Ordnung. "Jeder Bischof kann in seiner Diözese so viele Dinge ändern und tun. Die entscheidende Frage ist: Wie viele Bischöfe haben den Mut, etwas zu tun? Nur wenige - das ist meine Erfahrung", sagte der Erzbischof von Belgrad. Den synodalen Prozess bezeichnete Nemet zudem nicht als Versuch, die kirchliche Lehre zu verändern. Die Kirche müsse vielmehr offen für wissenschaftliche Erkenntnisse bleiben und dürfe "nicht in einer Blase leben".
Das Symposium in Puchberg bei Wels ist am Donnerstag zu Ende gegangen. Von 14. bis 17. September berieten dort 187 Kirchenvertreter aus 31 Ländern über die weitere Umsetzung der Weltsynode. Vertreten waren 29 Bischofskonferenzen und Mitgliedskirchen des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), darunter 21 Bischöfe sowie Theologen, pastorale Verantwortliche, Ordensleute und Studierende. Die von der Katholischen Privat-Universität (KU) Linz organisierte Veranstaltung befasste sich unter anderem mit Liturgie, gesellschaftlichen Entwicklungen sowie Strukturen, Ämtern und Entscheidungsprozessen in der Kirche. Die Ergebnisse sollen in eine "Roadmap" für die weitere Umsetzung der Weltsynode und in die Vorbereitungen für die gesamtkirchliche Versammlung 2028 einfließen.
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