Bischöfe in Indonesien: "Demokratie nicht auf Wahlen reduzieren"
26.08.202613:05
Indonesien/Kirche/Gesellschaft/Demokratie
Kirchenvertreter betonen in Hirtenwort Bedeutung von Bürgerbeteiligung, bürgerlichen Freiheiten, Rechtsstaatlichkeit, Transparenz und "Führungskräften, die das Wohl des Volkes über engstirnige Parteinteressen stellen"
Jakarta/Vatikanstadt, 26.08.2026 (KAP) Die katholischen Bischöfe in Indonesien sind beunruhigt über den Zustand der Demokratie in ihrem Land. In einem aktuellen Hirtenbrief nennen sie laut dem vatikanischen Nachrichtenportal "Vatican News" mehrere Faktoren, die sich nach ihrem Dafürhalten negativ auf die Demokratie auswirken: Zentralisierung der Macht, Schwächung der politischen Opposition, Einschränkung des Handlungsspielraums der Zivilgesellschaft und Druck auf kritische Stimmen.
Demokratie lasse sich "nicht auf Wahlen reduzieren", mahnen die Bischöfe. Sie brauche Bürgerbeteiligung, bürgerliche Freiheiten, Rechtsstaatlichkeit, Transparenz und "Führungskräfte, die das Wohl des Volkes über engstirnige Parteinteressen stellen". Die Kirche sei zwar nicht parteiisch, aber auch nicht unpolitisch. Katholische Laien sollten sich in Politik und Gesellschaft engagieren, während die Bischöfe und Kleriker für die "Bildung des Gewissens" zuständig seien.
"Politik ist Dienst"
Wörtlich heißt es in dem mehr als 80-seitigen Hirtenbrief: "Aus christlicher Sicht besteht Politik nicht in erster Linie darin, Macht zu erlangen. Politik ist Dienst." Hinter den verschiedenen Krisen Indonesiens verberge sich eine Wertekrise. Diese lasse sich nur durch eine Rückkehr zur Staatsphilosophie der Pancasila lösen, die das friedliche Zusammenleben der Unterschiede postuliert. "Die Kirche sieht in diesen Werten eine Möglichkeit, sich mit anderen zur gemeinsamen Suche nach einer gerechten, humanen, friedlichen und inklusiven Gesellschaft zu verbinden", so die Bischöfe.
Indonesien mit 280 Millionen Einwohnern ist das Land mit der weltweit größten muslimischen Bevölkerung. Anerkannte Glaubensrichtungen sind neben dem Islam der Buddhismus, Hinduismus, Katholizismus, Protestantismus und Konfuzianismus. Alle Christen zusammen stellen gut zwölf Prozent der Bevölkerung.