Mariä Himmelfahrt: Besondere Feiern in Österreich und Europa
09.08.202614:49
Österreich/Kirche/Religionsfest oder Feiertag/Brauchtum
Wallfahrten, Kräutersegnungen und Festmessen am 15. August - Besondere Highlights: Marienschiffsprozession mit Glettler und Marketz am Wörthersee, Fatima-Prozession auf dem Bodensee und die Weihe einer 55,6 Meter hohen Marienstatue in Polen
Wien, 09.08.2026 (KAP) Am 15. August feiert die katholische Kirche das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel, im Volksmund "Mariä Himmelfahrt" genannt. Das Fest erinnert an die Aufnahme Marias nach Vollendung ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit. Das älteste Marienfest der Kirche ist mit Brauchtum wie der Kräutersegnung verbunden und gilt als großer Wallfahrtstag. Heuer findet neben besonderen Festgottesdiensten und Kräutersegnungen auch wieder die traditionelle Marienschiffsprozession am Wörthersee mit den Bischöfen Hermann Glettler und Josef Marketz statt. Besondere Highlights: In Polen wird Europas größte Marienstatue eingeweiht und auf dem Bodensee kehrt die Fatima-Schiffsprozession wieder zurück - erstmals mit einem Pontifikalamt auf dem Wasser.
Tausende Gläubige aus Österreich und dem Ausland werden zur traditionellen Marienschiffsprozession auf dem Wörthersee erwartet. Die 72. Auflage der Wallfahrt wird heuer gemeinsam vom Kärntner Diözesanbischof Josef Marketz und vom Innsbrucker Bischof Hermann Glettler begangen, der die Predigt halten wird. Die aus dem portugiesischen Wallfahrtsort Fatima stammende Marienstatue wird dabei in einer nächtlichen Prozession über den Wörthersee geführt. Das Marienschiff legt um 20.15 Uhr von der Klagenfurter Ostbucht ab und macht Station in Krumpendorf, Pörtschach, Velden und Maria Wörth. Gegen Mitternacht kehrt die Prozession nach Klagenfurt zurück.
Die internationale Fatima-Schiffsprozession für den Frieden findet nach sechs Jahren Pause wieder auf dem Bodensee statt. Rund 800 Pilgerinnen und Pilger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz werden an Bord der "MS Sonnenkönigin" erwartet. Zum 45. Jahrestag der ersten Prozession im Jahr 1981 wird dabei erstmals ein Pontifikalamt auf dem Wasser gefeiert. Hauptzelebrant ist der Churer Bischof Joseph Maria Bonnemain. Die Prozession startet um 17 Uhr im Hafen von Bregenz.
Ein besonderes Mariä-Himmelfahrtsfest wird im polnischen Konotopie gefeiert, wo Europas höchste Marienstatue geweiht werden soll. Das Monument der Barmherzigen Gottesmutter ist 55,6 Meter hoch und überragt damit auch die berühmte Christusstatue in Rio de Janeiro, die inklusive Sockel rund 38,5 Meter misst. Weltweit ist sie allerdings nicht die höchste Marienstatue: Diesen Rekord hält die "Mother of All Asia - Tower of Peace" auf den Philippinen, die zusammen mit ihrem Sockel mehr als 98 Meter hoch ist. Die Feier in Konotopie beginnt um 12 Uhr mit einer Messe unter Leitung von Bischof Krzysztof Wetkowski von Wloclawek.
Mariä Himmelfahrt in Wallfahrtskirchen
In mehreren österreichischen Wallfahrtsbasiliken wird Mariä Himmelfahrt mit besonderen Gottesdiensten begangen. In der Basilika Frauenkirchen feiert Kardinal László Német, Erzbischof von Belgrad, das Hochamt um 10 Uhr. Insgesamt werden sieben Gottesdienste in der Basilika gefeiert. Eine Woche vor dem Start hat der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics die nach Angaben der Pfarre erste und bislang einzige E-Bike-Ladestation vor einer Kirche in Österreich für radfahrende Pilgerinnen und Pilger eröffnet.
Bischof Marketz feiert am Samstag, 15. August 2026, um 9.30 Uhr das Hochamt zu Mariä Himmelfahrt in der Basilika Maria Luggau. Anschließend führt eine feierliche Prozession durch den Wallfahrtsort. In der Basilika Mariazell beginnt die Festmesse um 10 Uhr; sie wird ebenso wie eine Marienandacht beim Gnadenaltar und eine Lichterprozession musikalisch vom Blechbläser-Ensemble "Sine Nomine Karlsruhe" gestaltet. In Maria Plain beginnt um 14 Uhr die traditionelle Prozession von der Plainbrücke zur Basilika, um 15 Uhr folgt die Festmesse mit Domkapitular Simon Weyringer.
Im Linzer Mariendom wird der Festgottesdienst mit Domkurat Josef Keplinger um 10 Uhr gefeiert. Die Aufnahme Mariens in den Himmel wird im gleichnamigen Gemäldefenster im Linzer Mariendom dargestellt, das über dem Hochaltar zu sehen ist. Unter www.dioezese-linz.at/mariae-aufnahme-in-den-himmel bietet die Diözese zudem Hintergründe zum Nachlesen - von Himmelfahrtskräutern, Maria und Himmelfahrtsmusik über Tipps und Tricks rund um die Kräuterbüscherl bis zu einem Video, das die Bedeutung des Festes für Kinder erklärt.
Im Salzburger Dom feiert Erzbischof Franz Lackner um 10 Uhr die Heilige Messe. Zeitgleich steht in der Basilika Maria Loretto Bischof Zsifkovics der Festmesse vor. In der Diözese Eisenstadt hat sich der diözesane Podcast "Das tägliche Brot - neu serviert" mit Dompfarrer Norbert Filipitsch anlässlich Mariä Himmelfahrt speziell den Sommerkräutern gewidmet. In der aktuellen Folge unterhält Filipitsch sich mit der stellvertretenden Vorsitzenden der Evangelischen Frauenarbeit, Agnes Trimmel, zudem über ökumenische Frauenarbeit und den Austausch zwischen den Konfessionen.
Kräutersegnung
Rund um Mariä Aufnahme in den Himmel finden in vielen Pfarren Kräutersegnungen statt. Der Brauch geht auf die Legende zurück, dass aus dem Grab, in dem Maria in dem Augenblick, in dem sie in den Himmel aufgenommen wurde, ein wunderbarer Duft wie von Kräutern und Blumen entstiegen ist. Eine andere Legende erzählt, dass die Jünger Jesu im Grab Mariens nicht mehr den Leichnam, sondern nur mehr Blüten und Kräuter vorfanden. Andererseits ist es auch wahrscheinlich, dass die jahreszeitlich bedingte Getreidereife und Hochblüte der Natur in Erinnerung brachten, dass Maria traditionell als "Blume des Feldes und Lilie in den Tälern" verehrt wurde.
Zur Kräutersegnung werden - je nach Region verschieden - aus sieben, neun, zwölf, 24 oder mehr verschiedenen Kräutern gebundene Sträuße gebracht. Typische Kräuter sind etwa Johanniskraut, Wermut, Beifuß, Schafgarbe, Königskerze, Kamille, Thymian, Baldrian und Eisenkraut. Die gesegneten Sträuße werden auf dem Dachboden oder im sogenannten Herrgottswinkel aufgehängt, wo sie gegen Krankheiten, Gewitter, Blitzschlag und Unheil helfen sollen. Oftmals werden auch zerriebene Blätter kranken Tieren ins Futter gemischt. Kirchengeschichtlich lässt sich dieses bis heute lebendige Brauchtum bis ins 5. Jh. zurückverfolgen.
Bergmessen in der Diözese Gurk
In der Diözese Gurk werden mehrere Bergmessen am Marienfeiertag gefeiert: Um 6 Uhr startet die Tauernprozession zum Tauernkreuz von Mallnitz zur Jamnigalm, um 10.30 Uhr wird beim Wetterkreuz auf der Forstalpe im Lavanttal Gottesdienst gefeiert, um 11 Uhr bei der Deutschen Kirche am Dobratsch und um 11.30 Uhr am Großen Sauofen bei Mirnig in Eberstein. Um 12 Uhr findet eine Bergmesse am Jufen bei der Lammersdorfer Hütte statt.
Marienfest in der orthodoxen Kirche
Auch in den orthodoxen Kirchen wird im August das wichtigste Marienfest des Kirchenjahres gefeiert. Die Orthodoxie nennt dieses Hochfest "Entschlafung der Gottesmutter", dementsprechend wird Maria liegend, umgeben von den Aposteln, dargestellt. Kirchen, die den revidierten bzw. gregorianischen Kalender verwenden, darunter die rumänisch-, griechisch- und bulgarisch-orthodoxen Kirchen, feiern das Fest am 15. August. Orthodoxe Kirchen, die für die festen Feiertage am julianischen Kalender festhalten, darunter die serbisch-orthodoxe Kirche, begehen es am 28. August.
Geschichte
Der "Tag der Gottesmutter Maria" ist bereits für die Mitte des 5. Jahrhunderts bezeugt. Papst Pius XII. (1939-1958) erklärte im Jahr 1950 - nach einer Befragung aller Bischöfe der katholischen Weltkirche - die "leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel" als bislang letztes katholisches Dogma. Der Pacelli-Papst hatte damit eine seit vielen Jahrhunderten von Theologie und Volksfrömmigkeit bezeugte Glaubenslehre feierlich proklamiert.
In Liturgie, Theologie und Volksfrömmigkeit wird Maria am 15. August einerseits als "Mutter" dargestellt - Mutter Jesu und Mutter der Menschen -, andererseits aber auch als "Urbild des Glaubens" und "Vorbild der Kirche".