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Hilfswerk fordert UN-Gedenktag gegen weltweiten Hexenwahn

09.08.2026 10:54
Deutschland/Kirche/Religion/Menschenrechte/Politik/Hilfsorganisation/Kriminalität
Gewalt gegen Frauen wegen angeblicher Hexerei: Zuletzt in 47 Ländern Fälle dokumentiert - Präsident "missio Aachen": Hexenwahn kein Phänomen der Vergangenheit
Aachen/New York, 09.08.2026 (KAP/KNA) In 47 Ländern der Welt sind Menschen der Gefahr ausgesetzt, als Hexen stigmatisiert, gefoltert oder getötet zu werden. Das geht aus der jährlich aktualisierten Weltkarte des deutschen katholischen Hilfswerks "missio Aachen" hervor (Stand: Juli 2026). Missio warnt vor weiter steigenden Zahlen und fordert die Vereinten Nationen auf, den 10. August als offiziellen Gedenk- und Aktionstag gegen Hexenwahn einzuführen. Einen entsprechenden Appell richtete das Hilfswerk an die Präsidentin der UN-Vollversammlung, die deutsche Politikerin Annalena Baerbock, wie missio-Präsident Dirk Bingener der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA sagte.

"Menschen werden als vermeintliche Hexen stigmatisiert, misshandelt oder getötet", fügte Bingener hinzu. "Dabei spielt sexualisierte Gewalt zunehmend eine große Rolle. Immer öfter werden die Übergriffe öffentlich inszeniert, gefilmt und über soziale Medien verbreitet." Hier brauche es strengere Regeln, um die Verbreitung solcher Aufnahmen zu unterbinden.

Appell an Baerbock

Ein offizieller Gedenk- und Aktionstag der Vereinten Nationen würde "den Betroffenen mehr Sichtbarkeit verleihen und international die Solidarität mit ihnen stärken", heißt es in dem Brief an Baerbock. Ein solcher Tag solle zudem motivieren, mehr offizielle und verlässliche Daten über diese Form von Menschenrechtsverletzungen zu erheben und Strategien für Prävention und Strafverfolgung sowie zur Begleitung von Überlebenden zu entwickeln.

Bereits 2020 hatte missio Aachen den 10. August als Welttag gegen Hexenwahn ausgerufen. Das Datum erinnert an eine Frau mit dem Namen Christina aus Papua-Neuguinea. Sie wurde der Hexerei beschuldigt und gefoltert, konnte aber am 10. August 2012 mit Hilfe von missio-Partnerin Schwester Lorena Jenal fliehen.

Hexenwahn kein Problem des Mittelalters

Menschenrechtsverletzungen infolge von Vorwürfen vermeintlicher Hexerei seien ein zunehmendes globales Problem, das jedoch noch zu wenig bekannt sei, ergänzte die Ordensfrau. Daher sei es so wichtig, dass missio Vorkommen dieser Art auf einer jährlich aktualisierten Weltkarte dokumentiere.

Dass jetzt der Jemen als 47. Land auf diese Karte aufgenommen wurde, zeige, "dass Hexenwahn weder ein Phänomen der Vergangenheit noch auf einzelne Weltregionen begrenzt ist", ergänzte missio-Präsident Bingener: "Bewaffnete islamistische Gruppen nutzen solche Vorwürfe der angeblichen Hexerei, um die Bevölkerung einzuschüchtern." Die moderne Hexenverfolgung habe inzwischen mehr Todesopfer gefordert als die im Europa der frühen Neuzeit.
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