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Prager Erzbischof: "Kirche muss Vertrauen zurückgewinnen"

07.08.2026 09:00
(zuletzt bearbeitet am 08.08.2026 um 10:00 Uhr)
Tschechien/Kirche/Religion/Missbrauch/Medien/Finanzen
Pribyl: "Die Erzdiözese muss ein normaler Arbeitsplatz sein"
Prag, 07.08.2026 (KAP) Drei Monate nach seinem Amtsantritt zieht der neue Prager Erzbischof Stanislav Pribyl eine erste Bilanz. Sein Ziel sei, das Vertrauen in die katholische Kirche und ihre Leitung wiederherzustellen. Hintergrund sind Missbrauchsfälle und organisatorische Missstände, die die Prager Erzdiözese in den vergangenen Jahren erschüttert haben. "Ich erlebe Frustration über das, was sich in der Vergangenheit in diesem Amt abgespielt hat", so Pribyl im Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Sender "Ceský rozhlas Plus" in der Sendung "Interview Plus".

Besonders erschüttert zeigte er sich über die Vorwürfe gegen einen früheren hohen Mitarbeiter der Erzdiözese wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung. Neben polizeilichen Ermittlungen läuft dazu auch ein kirchenrechtliches Verfahren. "Unter meiner Verantwortung wird so etwas nicht passieren. Und wenn doch, wird es sehr schnell gelöst", stellte der klar.

Als Ursache für die Missstände sieh Pribyl mangelnde interne Kontrolle. So habe die Erzdiözese in der Vergangenheit nicht wie ein professionell geführter Arbeitgeber funktioniert. "Wenn sich derart schwerwiegende Dinge ereignen, dann muss man sie spüren können. Die Erzdiözese ist kein geheimnisvoller Ort, sondern ein normaler Betrieb mit Dutzenden von Mitarbeitenden. Umso unverständlicher ist das für mich."

Künftig sollen bestehende Kontrollmechanismen überprüft und Hinweisgebersysteme gestärkt werden. Mitarbeitende müssten Missstände ohne Angst melden können, so das Ziel des Erzbischofs.

Begegnungen mit Missbrauchsopfern

Zu den schwierigsten Aufgaben seines Amtes gehören für Pribyl die persönlichen Gespräche mit Betroffenen sexuellen Missbrauchs. Diese Begegnungen seien oft belastend und könnten sowohl heilend als auch erneut verletzend wirken. "Es ist für mich sehr anspruchsvoll. Ich sehe es als wichtigen Teil meiner Sendung, habe aber Sorge, dem anderen Menschen ungewollt erneut wehzutun." Deshalb arbeitet die Erzdiözese mit dem Opferhilfeverein "Nikdo ti uví" ("Jemand wird dir glauben") zusammen, der Betroffene vor und nach Gesprächen begleitet. "Wir haben erkannt, dass wir uns als Kirche nicht selbst an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen können. Dafür braucht es Menschen mit fachlicher Kompetenz. Der Name des Vereins sagt bereits alles: Der erste Schritt ist, dem Opfer zu glauben."

Interne Reformen und wirtschaftliche Transparenz

Neben der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen lässt der Erzbischof sämtliche wirtschaftlichen Abläufe der Erzdiözese überprüfen. Verträge und Rechnungen würden etwa von externen Juristen und Wirtschaftsfachleuten überprüft. "Nicht immer wurde offenbar mit zweierlei Maß gemessen. Deshalb müssen wir auch das Vertrauen unserer Mitarbeitenden wiederherstellen. Eine bessere Atmosphäre am Arbeitsplatz zu schaffen, ist meine Aufgabe als Erzbischof."

Als großen Gewinn bezeichnete Pribyl auch sein neu zusammengestelltes Leitungsteam. Besonders wichtig sei ihm, dass seine Mitarbeitenden ihm offen widersprechen könnten. "Ich wollte keine Menschen, die nur nicken, sondern Personen, die mir ehrlich Rückmeldung geben." Zugleich hob Pibyl hervor, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über Jahre verantwortungsvoll gearbeitet hätten. "Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass vor mir alles schlecht war."

Versöhnung als gesellschaftlicher Auftrag

Über die innerkirchliche Erneuerung hinaus versteht Pribyl Versöhnung als Aufgabe der gesamten Gesellschaft. Anlässlich des Gedenkens an das Massaker an der deutschen Bevölkerung in Aussig nach dem Zweiten Weltkrieg sprach er sich gegen jede Form von Kollektivschuld aus. "Wir müssen im anderen Menschen den Menschen sehen und nicht bloß ein Rädchen in einer Maschine", sagte der Erzbischof.
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