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Astrophysiker, Universität Wien, bei einem Vortrag am 7. August 2026 bei den 'Salzburger Hochschulwochen'
Wissenschaft
Bild Copyright: © Kathpress / Henning Klingen

Astrophysiker: Wimpernschlag des Lebens lehrt Demut

08.08.2026 16:02
Österreich/Physik/Astronomie/Salzburger.Hochschulwochen/Kerschbaum
Wiener Astrophysiker Kerschbaum bei "Salzburger Hochschulwochen": Biblische Kategorien sind hilfreich, um die Entstehung des Universums zu beschreiben - Leben auch anderswo im All "sehr wahrscheinlich"
Salzburg, 08.08.2026 (KAP) Der Blick in die im wahrsten Sinne elementaren Momente der Geschichte des Universums kann Staunen lassen - oder aber im Blick auf den kurzen Wimpernschlag, den das Leben in astrophysischen Dimensionen dauert, ein wenig deprimieren und demütig stimmen. Beide Motive findet man beim Wiener Astrophysiker Franz Kerschbaum. Legt man die Zeit des Universums vom Urknall bis heute auf die Spanne eines Kalenderjahres um, so nimmt das menschliche Leben gerade mal 0,2 Sekunden dieses Jahres ein. Und es wird so rasch wieder aus dem Kosmos verschwunden und verglüht sein, wie es gekommen ist. Diesen gleichsam "galaktischen" Verlauf des Lebens zeichnete Kerschbaum bei einem Vortrag bei den "Salzburger Hochschulwochen" am Samstag nach.

Ausgehend vom sogenannten "Urknall" vor 13,8 Milliarden Jahren rekonstruierte der Astrophysiker die Entstehung des Universums und der Materie - von einer weitgehend "undurchsichtigen" Form bis hin zu den heutigen Sternen. Dabei sei es durchaus geboten, auf biblische Kategorien und Sprachformen zurückzugreifen, wenn es etwa um die Trennung in feste Materie und Raum geht ("Es werde Licht!") oder um die Tatsache, über welch langen Zeitraum das Universum eigentlich "wüst und leer" war und nur aus wenigen, frei schwebenden Elementen bestand.

Vor 13,2 Milliarden Jahren seien dann die ersten Sterne entstanden und hätten sich schließlich vor 8,8 Milliarden Jahren zur Milchstraße geformt. Diese bestehe heute - um die Dimensionen zu verdeutlichen - aus rund 400 Milliarden Sonnen. Unser Sonnensystem und die Erde entstanden erst vor 4,5 Milliarden Jahren aus einem Gas- und Staubnebel.

So lange der Anlauf der Entstehung unseres Sonnensystems und des Lebens auf der Erde auch dauerte - es werde mit fortschreitender Ausdehnung der Sonne und der Steigerung ihrer Hitze auch wieder vergehen: In etwa einer Milliarde Jahren werde die Oberflächentemperatur auf der Erde so angestiegen sein, dass alles Wasser verdampft. In zwei Milliarden Jahren werde kein Leben auf der Erde mehr möglich sein.

Doch gerade angesichts dieser gleichsam tristen Aussichten wiege das Geschenk der Entstehung des Lebens umso schwerer: Vor rund 2 Milliarden Jahren entstand einfachstes Leben. Die eigentliche "Revolution des Lebens" begann schließlich laut Kerschbaum vor 600 Millionen Jahren mit einer explosionsartigen Verbreitung und Komplexitätssteigerung des Lebens. Umgelegt auf den "kosmischen Jahreskalender" würde diese Zeit des entstehenden Lebens passenderweise in die Weihnachtszeit fallen: am 1. Weihnachtstag wäre demnach das Zeitfenster der Dinosaurier, am 2. Weihnachtstag entstanden erste Säugetiere. Am 31. Dezember um 23.52 Uhr entstand nach dieser Logik der moderne Mensch - um einen Wimpernschlag später wieder von der Bildfläche zu verschwinden.

Leben auch anderswo im All "sehr wahrscheinlich"

Trotz dieses außergewöhnlichen "Wimpernschlag-Moments" menschlichen Lebens stelle sich aber - getrieben vom astrophysikalischen Fortschritt - die Frage, ob es nicht doch auch anderswo im Universum Leben gibt. Die Frage, die bereits seit Jahrhunderten die Wissenschaften bewege, sei weder trivial noch schlicht von der Hand zu weisen, führte Kerschbaum aus. Tatsächlich suche man gezielt nach Planeten, die jene Eigenschaften mitbringen, die auf der Erde Leben ermöglichten - wo also flüssiges Wasser, Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff und eine entsprechende Atmosphäre vorhanden sind.

Mathematisch bzw. per Ausschlussverfahren könne man dazu folgende Rechnung anstellen: Es gibt allein in der Milchstraße rund 400 Milliarden Sonnen. Lege man die Kriterien der Entstehung einfachsten Lebens zugrunde, wie es auf der Erde entstanden ist, so kämen rund 400 Millionen Planeten als möglicherweise belebte Planeten infrage. Bei der Frage nach höheren Lebensformen würde sich die mögliche Zahl auf rund 40.000 reduzieren. Suche man nach Planeten, auf denen eine hochentwickelte Lebensform wie auf der Erde möglich sein könnte, schrumpfe die Zahl auf eine Handvoll.

Die Frage, ob es irgendwo im All Leben gebe, würde er daher mit "sehr wahrscheinlich" beantworten, so Kerschbaum. Und er fügte hinzu: "Gäbe es nur uns, wäre das doch eine schreckliche Platzverschwendung."
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Astrophysiker, Universität Wien, bei einem Vortrag am 7. August 2026 bei den 'Salzburger Hochschulwochen'
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