Internationale Konferenz zu Beziehungen zwischen Christentum und Konfuzianismus - Vatikan verstärkt interreligiösen Dialog
Seoul, 07.08.2026 (KAP) Beim ersten offiziellen Dialog zwischen Vertretern des Christentums und des Konfuzianismus an der Sogang-Universität in Seoul haben die Teilnehmenden eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Das Dokument betont den Willen zu einer kontinuierlichen Kooperation, um gesellschaftlichen Herausforderungen wie sozialer Spaltung, Armut, Umweltproblemen und den ethischen Fragen der künstlichen Intelligenz durch ethische Werte und gegenseitigen Respekt zu begegnen, wie das Online-Portal Vatican News berichtet. Die von Vertretern des Vatikans, der Koreanischen Bischofskonferenz sowie der Konfuzianischen Akademie Chinas und Koreas getragene Konferenz widmete sich dem Thema einer idealen Gesellschaftsordnung und des friedlichen Zusammenlebens.
Das vom Dikasterium für den Interreligiösen Dialog organisierte Treffen vom 4. bis 5. August gilt als weiterer Schritt des Heiligen Stuhls, Brücken zwischen Kulturen und religiösen Traditionen zu bauen, und fand u. a. im Vorfeld eines geplanten Besuchs von Papst Leo XIV. in Südkorea statt. Der Papst wird zum Weltjugendtag in Seoul erwartet, zu dem vom 3. bis 8. August 2027 junge Menschen aus aller Welt zusammenkommen.
In dem Abschlussdokument sprechen sich die Teilnehmenden für eine dauerhafte Zusammenarbeit in Forschung, Bildung und konkreten Initiativen aus. Die Herausforderungen der Gegenwart ließen sich nach Auffassung der Unterzeichnenden nicht allein durch Wirtschaft oder Technik bewältigen: "Sie erfordern ethische Weisheit, spirituelle Tiefe, Gemeinschaftssinn und ein erneuertes Engagement für die Würde jedes menschlichen Wesens und das Gemeinwohl."
Verbindungen und Gemeinsamkeiten
Trotz unterschiedlicher religiöser und philosophischer Grundlagen hoben die Delegierten zahlreiche gemeinsame Überzeugungen hervor. Ein zentraler Punkt der Erklärung betrifft das menschliche Zusammenleben sowie die Leitung gesellschaftlicher Institutionen: "Eine gerechte und friedliche Gesellschaft hängt von einer Führung ab, die in Integrität, Demut, Dienstbereitschaft und der Ausrichtung auf das Gemeinwohl verwurzelt ist." Zudem formulierten die Teilnehmenden den Anspruch, dass im Zeitalter des technologischen Wandels "jeder technologische Fortschritt aktiv dazu beiträgt, die menschliche Würde und ethische Werte zu stärken".
Abschließend vereinbarten die Vertretungen beider Traditionen, insbesondere junge Menschen verstärkt in den Dialog einzubinden und gemeinsam für den Schutz der Umwelt sowie die Unterstützung bedürftiger Bevölkerungsgruppen einzustehen.
Eher Philosophie als Religion
Der Konfuzianismus geht auf die Lehren des chinesischen Philosophen Konfuzius zurück und legt besonderen Wert auf moralische Selbstbildung, familiäre Verantwortung, Respekt gegenüber Vorfahren und harmonische gesellschaftliche Beziehungen. Anders als das Christentum versteht er sich nicht als Religion im klassischen Sinn, sondern vor allem als ethische und philosophische Tradition.
Der Vatikan beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren intensiver mit dem Dialog mit konfuzianisch geprägten Gemeinschaften. 2024 veranstaltete das Dikasterium gemeinsam mit der Fu-Jen-Universität in Taiwan eine Studiengruppe zur Entwicklung von Leitlinien für den christlich-konfuzianischen Austausch.