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Bild Copyright: © Robert Mitscha-Eibl/Kathpress

Vatikan: Neue Koordinierungsstelle für Weltmeere

03.08.2026 10:32
Vatikan/Religion/Christentum/Umwelt/Krieg/Soziales/Papst/Wasser/Welthandel
Neuer Vatikan-Beauftragte für die Weltmeere ist sturmerprobt - Beistand für Seeleute in Krieg, Ausbeutung und Unsicherheit - Iran-Krieg schürt Ängste - Korrespondentenbericht von Sabine Kleyboldt
Vatikastadt, 03.08.2026 (KAP) Schwerstarbeit fern der Heimat, Angst vor Piraten und Krieg - so wie gerade an der Straße von Hormuz: Das Leben der Seeleute ist selten romantisch. Das neu aufgestellte Apostolat der Weltmeere im Vatikan will die katholische Seelsorge und Sozialarbeit für die weltweit mehr als 2,5 Millionen Seeleute und ihre Familien künftig stärker koordinieren. Generalsekretär der neuen Struktur ist der philippinische Steyler Missionar Ritchille Salinas, der zuvor sechs Jahre als Seemannspastor im Hamburger Hafen tätig war.

Den 42-jährigen Philippiner hat es von Deutschlands größtem Hafen in den Vatikan gespült. Papst Leo XIV. berief den Steyler Missionar zum Generalsekretär und damit zum Steuermann des neu aufgestellten Apostolats der Weltmeere, "Kapitän" ist der emeritierte spanische Bischof Luis Quinteiro Fiuza (79), beide zunächst "ad Interim".

Seit über hundert Jahren hat die katholische Kirche ein eigenes maritimes Apostolat, das sich um Seelsorge und Sozialarbeit für die Seeleute und ihre Familien kümmert. Mit dem neu errichteten zentralen und koordinierenden Organ soll künftig das weltweite Engagement für einen sehr unromantischen Berufsstand noch enger verbunden und unterstützt werden.

Den kennt Salinas als Sohn der weltgrößten Seefahrernation und Neffe zweier Seeleute sehr gut. "Als Kinder haben wir uns immer darauf gefreut, dass sie uns von ihren Reisen was mitbringen. Aber meine Cousins und Cousinen sagten oft, 'warum ist mein Papa gar nicht an Weihnachten oder an meinem Geburtstag da?' Diese monatelange Abwesenheit und Ungewissheit ist für die Seeleute und ihre Familien sehr hart."

Suizide und Depressionen an Bord

Genau solche Erfahrungen hörte er auch in der Hamburger katholischen Seemannsmission Stella Maris, deren Armband er noch immer trägt. Sechs Jahre lang ging er von Bord zu Bord, um Matrosen zu unterstützen - nicht nur mit deutschen Sim-Karten oder Kontaktadressen bei gesundheitlichen, rechtlichen oder finanziellen Problemen. "Vor allem wollen wir mit ihnen ins Gespräch kommen, damit sie fühlen, dass sie nicht allein sind", sagt Salinas, der auch mit mehreren Suiziden unter Seeleuten konfrontiert war.

"Viele kämpfen mit Depressionen, sind von der Schwerstarbeit, Eintönigkeit und Einsamkeit zermürbt. Außer ihrer Crew, mit der sie auf engstem Raum zusammenleben müssen, sehen sie keinen Menschen." Das alles unter nicht selten grenzwertigen Bedingungen sowie Angst vor Unwettern, Piraten-Überfällen und Kriegen.

Iran-Krieg schürt Ängste

Gerade der aktuelle Iran-Krieg und die Situation auf der Straße von Hormuz sei ein großes Problem. "Die Seeleute sitzen praktisch auf den Schiffen fest, kommen nicht vorwärts und nicht zurück. Und was erwartet sie, wenn sie passieren dürfen? Werden sie beschossen?" Dabei genießen zivile Handelsschiffe und ihre Besatzungen nach humanitärem Völkerrecht Schutz und dürfen nicht ohne Weiteres zum Ziel militärischer Angriffe werden. Doch schon das Geräusch von Bomben, Drohnen oder Raketen schürt Ängste, berichten ihm Seeleute, die ihn bis heute kontaktieren.

Hier kommt die neue Aufgabe des Paters ins Spiel. "Wenn der Krieg morgen vorbei wäre: Was können wir tun, damit die Arbeiter auf See gestärkt werden?", überlege seine neue Crew im Vatikan. Hilfreich könnte zum Beispiel ein Heft mit Hinweisen zum Umgang mit traumatischen Erlebnissen sein. "Und wenn die Seeleute nach Hause kommen, ist es wichtig, einen Raum zu schaffen, wo sie über ihre Erfahrungen reden können", so der Ordensmann, der auch in Psychosozialer Notfallversorgung (PSNV) ausgebildet ist.

Erste Generalversammlung im Frühjahr

Eine zentrale Aufgabe Salinas ist derzeit die Vorbereitung der ersten Generalversammlung des neu aufgestellten Meeresapostolats. Sie soll vom 22. bis 27. Februar 2027 in Rom stattfinden. Erwartet werden unter anderem die bischöflichen Beauftragten für die Seemannspastoral - in Deutschland ist das der Hamburger Erzbischof Stefan Heße - sowie Vertreter internationaler maritimer Organisationen, wie die ökumenische Seemannsmission ICMA (International Christian Maritime Association) oder Arbeitsschutz-Organisationen wie ITF (International Transport Workers' Federation) und ILO (Internationale Arbeitsschutz-Organisation). Auch andere Vatikanbehörden, darunter etwa für Evangelisierung, Kommunikation oder für interreligiösen Dialog, sollen kommen - und Papst Leo XIV., dessen Zusage aber noch aussteht.

Der Ruf nach Rom kam für ihn unerwartet, doch nach sechs Jahren im selben Hafen zog es den Ordensmann ohnehin zu neuen Ufern. "Ich finde es sehr gut, dass die Kirche noch besser für die Seeleute da sein will und viele Partner an dieser wichtigen Arbeit beteiligt werden."

Angesiedelt ist sein Büro im vatikanischen Dikasterium für den Dienst an der ganzheitlichen menschlichen Entwicklung, mit dem die kleine Mannschaft eng verbunden ist. Kanonisch ist das Apostolat von der Vatikanbehörde abhängig, dient aber zugleich den Bischofskonferenzen, Ortskirchen und den Menschen des Meeres, so Salinas.
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