Kurienkardinal in Communio-Podcast: "Grundproblem scheint zu sein, wie man der Tradition treu sein kann und zugleich offen sein kann für neue Herausforderungen"
Freiburg, 03.07.2026 (KAP/KNA) Kardinal Kurt Koch blickt gelassen auf die jüngsten Bischofsweihen der Piusbrüder. Außerdem sieht er bei deren Bruch mit der katholischen Kirche das letzte Wort noch nicht gesprochen. In der aktuellen Ausgabe des Podcasts der Zeitschrift "Communio" sagte Koch, eine Exkommunikation lade zur Reue ein, damit man den Weg zurückfinden könne. Er hoffe, dass es in der Zukunft möglich sein werde, neue Gespräche aufzunehmen, "damit sie den Weg in die katholische Kirche wiederfinden". Eine Exkommunikation bedeutet den Verlust der kirchlichen Ämter und fast sämtlicher Mitgliedschaftsrechte in der Kirche.
In der Kirchengeschichte sei es üblich gewesen, dass es nach Konzilien Spaltungen gab, erklärte der Kurienkardinal und Leiter der Vatikanbehörde zur Forderung der Einheit der Christen. Man habe der Kirche jeweils vorgeworfen, sie habe die Tradition verraten und etwas Neues eingeführt. Ihm scheine, dass das Grundproblem, "wie man der Tradition treu sein kann und zugleich offen sein kann für neue Herausforderungen", auch hier zutreffe, so Koch.
"An die eigene Brust klopfen"
Historisch betrachtet seien solche Probleme irgendwann gelöst worden. Noch sei das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965), das die Piusbruderschaft ablehnt, offenbar zu nah, "aber ich hoffe, dass es in Zukunft andere Wege geben wird", sagte Kardinal Koch.
Bezogen auf den Religionspluralismus, in dem vertreten werde, dass alle Religionen in gleicher Weise Wege zu Gott sind, sagte der vatikanische Ökumene-Minister: "Es wäre gut, die Auseinandersetzung mit der Piusbruderschaft auch als Gelegenheit zu nehmen, an die eigene Brust zu klopfen und zu überlegen, was geändert werden muss. Nur so können wir gegenüber der Piusbruderschaft vertreten, dass die Übel, die sie benennen, nicht im Konzil enthalten sind, sondern Tendenzen sind, die nach dem Konzil aufgetreten sind."
Parallelen zwischen rechts und links
Mangels päpstlicher Erlaubnis für ihre Bischofsweihen hat die Piusbruderschaft diesen Schritt ausführlich gerechtfertigt. Das geht laut Kardinal Kurt Koch "in Richtung einer Selbstermächtigung für die Weihen" und erinnert demnach an Vorgänge aus dem progressiven Kirchenspektrum, in dem Gruppierungen sich selbst ermächtigen wollen, das zu tun, was die Kirchenleitung nicht will: "Da zeigt sich einmal mehr, wie Traditionalisten und Progressisten manchmal im selben Spital krank sein können, wenn auch in extrem anderen Abteilungen."
Der Traditionsbegriff der Piusbrüder sei unvollständig, weil er nur Fragmente der Tradition beinhalte, sagte der Kardinal. Sie hätten nicht die ganze Tradition der 2.000 Jahre im Blick, sondern erklärten die Tradition mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil für abgebrochen.
"In die Hölle schicken"
Kritisch äußerte sich Koch zur Interpretation des Satzes "außerhalb der Kirche kein Heil" durch die Piusbruderschaft. In der Tradition der Kirche gebe es die Überzeugung, dass Gott das Heil aller Menschen wolle und auch Wege für die Menschen finde, die nie mit dem Evangelium "in Einklang" gekommen seien.
"Wenn die Piusbruderschaft dann quasi alle in die Hölle schickt, die nicht in der katholischen Kirche sind, dann weiß ich nicht, wie diese Grundüberzeugung der Heiligen Schrift, dass alle Menschen von Gott gerettet werden wollen, überhaupt noch gerechtfertigt werden kann", sagte der Kardinal. Die Gefahr sei, dass das theologische Urteil hier über dem letzten Gerichtswillen Gottes stehe.