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Ball der Fußball-WM 2026
Fußball-WM
Bild Copyright: © Emmanuel Pernsteiner

Fußballpfarrer: Lasse mir von Trump nicht die WM-Freude nehmen

19.06.2026 08:37
(zuletzt bearbeitet am 19.06.2026 um 10:27 Uhr)
Österreich/Deutschland/Kirche/Sport/Fußball-WM/Schießler
Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler betont im Kirchenzeitungsinterview Parallelen zwischen Kirche und Fußball - "Wichtig, dass wir uns den Fußball nicht kaputtmachen lassen"
Linz, 19.06.2026 (KAP) Rainer Maria Schießler gilt als Deutschlands bekanntester Pfarrer. Im Interview mit der "KirchenZeitung" der Diözese Linz sprach er über die Vorbildfunktion des Fußballs, gläubige Kicker und warum er sich die Freude auf die WM auch nicht von "Schädln" wie US-Präsident Donald Trump oder FIFA-Präsident Infantino nehmen lässt.

Besonders geprägt habe ihn in seiner Jugend die WM 1974 in Deutschland. "Dass wir 1974 Weltmeister wurden, war ein unglaubliches Gefühl. Vor allem habe ich als damals 14-Jähriger erlebt, was dieses sportliche Großereignis für die Generation meiner Eltern bedeutet hat. Sie waren vom Krieg gezeichnet, seelisch verletzt. Die WM hat ihnen ein Stück Würde zurückgegeben, das die Nazizeit geraubt hatte."

"Baustein auf meinem Weg zur Berufung"

Deshalb sei er bis heute ein großer Verfechter solcher Veranstaltungen. Nachsatz: "Vielleicht war das sogar ein Baustein auf meinem Weg zur Berufung." Er habe damals außerhalb seiner Pfarre dieses große Ereignis mitbekommen, "bei dem ich erlebt habe, wie Menschen aus aller Welt aufeinander zugehen und miteinander feiern können".

Dieser positive und verbindende Geist der Fußball-Weltmeisterschaften sei auch mit ein Grund dafür gewesen, dass er sich bei der deutschen Heim-WM 2006 als Freiwilliger gemeldet hatte. Schießler: "Ich wollte einfach noch näher dran sein. Weil ich einen gültigen Taxischein habe, wurde ich Leiter der Abteilung Chauffeurdienste. Dadurch bin ich auch immer wieder ins Münchner Stadion zu den WM-Spielen gekommen."

Dort habe er Besonderes erlebt: "Diese Aura, diese Atmosphäre, dieses Gefühl, mitten unter den Menschen zu sein mit all ihren Erwartungen, ihrer Freude, ihrer Hingabe. Aber auch ihrer Hoffnung, ihrer Trauer und den gemeinsamen Gesängen. Das hatte etwas Liturgisches, etwas, das auch mit dem Glauben in Verbindung steht."

"Schau dir die Leute an, die aus dem Wirtshaus kommen"

Insofern sehe er auch Parallelen zwischen Fußball und Kirche. Schießler: "Das ist doch genau unsere Aufgabe als Kirche: Menschen Hoffnung, Gemeinschaft und Freude zu schenken." Als er vor 40 Jahren Priester wurde, habe ihm sein Vater noch etwas mit auf den Weg gegeben. "Er hat gesagt: 'Bua, wenn du am Sonntag übers Land fährst, dann schau dir die Leute an, die aus dem Wirtshaus kommen, und die, die aus der Kirche kommen. Wer schaut fröhlicher aus?' Meistens seien es die aus dem Wirtshaus, meinte er. 'Also streng dich an.' Diesen Satz habe ich nie vergessen." Kirche solle ein Ort sein, "an dem Menschen gerne zusammenkommen. So wie ich das auch beim Fußball immer wieder erlebe."

Darauf angesprochen, dass sich einige Fußballer vor dem Spiel bekreuzigen würden oder nach einem Tor die Arme zum Himmel strecken, meinte der Geistliche: "Ein größeres Geschenk können uns diese Fußballer kaum machen, als offen zu zeigen, dass sie gläubig sind." Es sei großartig, "wenn Leute, die bekannt sind und in der Öffentlichkeit stehen, auch mit ihrer Religion auftreten".

"Nach dem Spiel ist vor dem Spiel"

Was man vom Fußball lernen könne sei auch das Prinzip: "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Nach Rückschlägen gibt es immer eine neue Chance. Es geht nicht nur um Sieger und Verlierer." Gerade auch bei der Weltmeisterschaft seien eigentlich alle Gewinner, so Schießler: "Schauen Sie sich die kleinen Nationen an oder die Teams, die sich erstmals qualifiziert haben. Die jubeln oft schon über die Teilnahme, als hätten sie den Pokal gewonnen." Gleichzeitig müsse man freilich auch immer wieder betonen: Fußball sei "die schönste Nebensache der Welt".

Zur Frage, was die Gesellschaft vom Fußball lernen könne, antwortete Schießler: "Nach 90 Minuten voller Kampf gehen die Spieler aufeinander zu, umarmen sich, reichen sich die Hände und gratulieren einander. Ich denke mir dann immer: So, liebe Welt, genauso geht man miteinander um."

Fußball im Umfeld von Geld und Macht

Zur Frage, ob man sich angesichts von Kriegen und politischen Spannungen und mit Blick auf US-Präsident Donald Trump überhaupt über die Fußball-WM freuen dürfe, sagte der Pfarrer: "Ich lasse mir die Freude an der WM von niemandem nehmen. Es wäre fatal, wenn solche Schädln wie Trump oder FIFA-Präsident Infantino den Sport bestimmen oder ihm seinen Sinn nehmen würden." Natürlich finde eine WM in einem Umfeld statt, in dem es oft um Geld und Macht geht. Gerade deshalb sei es umso wichtiger, "dass wir uns den Fußball nicht kaputtmachen lassen".

Rainer Maria Schießler, geboren 1960, gilt durch unkonventionelle Seelsorge und medienwirksame Aktionen als einer der bekanntesten Kirchenmänner Deutschlands. Er ist Pfarrer in München. Am Montag, 13. Juli, gastiert er in Linz, wo er an der Privaten Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz die Parallelen zwischen Fußball und Religion beleuchten wird. Details und Anmeldung: www.dioezese-linz.at/ipf
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