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Abt Ludwig Wenzl - Stift Melk
Orden
Bild Copyright: © ÖOK/Elisabeth Mayr-Wimmer

Melker Abt: Dialog statt Autorität

19.06.2026 12:31
Österreich/Religion/Kirche/Orden
Abt Wenzl in "katholisch.de"-Interview: "So ein Superboss, das will ich nicht sein"
St. Pölten/Bonn, 19.06.2026 (KAP) "So ein Superboss, das will ich nicht sein": Der neue Melker Benediktinerabt Ludwig Wenzl sieht seine Leitungsaufgabe vor allem als Dienst an der Gemeinschaft, weniger als Führungsamt denn als Dienst an Gemeinschaft und Kirche. Der seit Herbst 2025 amtierende Abt betonte die Bedeutung von Dialog, Respekt und gemeinsamer Verantwortung im Zusammenleben der Mönche sowie eine Leitung "im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils". "Meine Mitbrüder werden es später einmal bewerten und die Geschichte wird es dann zeigen. Unabhängig davon ist es mir wichtig, keiner zu sein, der nur anschafft, sich zurücklehnt und die anderen machen lässt", so der 41-Jährige im Interview mit dem Portal "katholisch.de".

Wenzl war am 11. September 2025 zum 68. Abt des Benediktinerstiftes Melk gewählt worden. Nach seiner Benediktion am 26. Oktober übernahm er am 7. November die Leitung der traditionsreichen Abtei von seinem Vorgänger Georg Wilfinger (76), der das Stift 24 Jahre lang geführt hatte. Die Amtszeit des neuen Abtes beträgt zwölf Jahre.

Mit der Funktion sei weitreichende Verantwortung verbunden, so Wenzl. Der Abt trägt etwa die Letztverantwortung für die 20 Benediktinermönche des Konvents, die 23 dem Stift inkorporierten Pfarren, das Stiftsgymnasium mit mehr als 800 Schülerinnen und Schülern sowie rund 340 Beschäftigte. Zudem zählen Wirtschaftsbetriebe, Kultur- und Tourismusangebote zum Verantwortungsbereich des Abtes.

Größter Schatz des Stiftes sind die Menschen selber

Er selbst verstehe sich in erster Linie als Seelsorger: "Wenn ich unterwegs bin, fragen mich immer wieder Leute, ob ich sie segnen kann oder ihnen die Beichte abnehme. Ich finde, als Mönche sollten wir für die Leute da sein, ansprechbar, zugänglich." Das gelte auch für das Kloster selber: Der größte Schatz des Stiftes seien nicht die Bibliothek oder die Barockarchitektur, sondern die Menschen, die dort lebten, arbeiteten, zur Schule gingen oder als Besucher kämen. Auch die Bildungsarbeit und der Schutz junger Menschen seien zentrale Anliegen. Nach Fällen sexueller Grenzüberschreitungen in der Vergangenheit habe das Stift Schutzkonzepte und Präventionsmaßnahmen etabliert. "Wir wollen genau hinschauen und alles dafür tun, damit so etwas nicht mehr geschieht", sagte Wenzl.

Trotz des Rückgangs geistlicher Berufungen blickt der Abt optimistisch auf die Zukunft des Klosters. Zwar beobachte er Klosterschließungen mit Sorge, für Melk könne er sich ein solches Szenario derzeit aber nicht vorstellen. Sein Wahlspruch "Gaudium et Spes" ("Freude und Hoffnung") sei Ausdruck dieses Vertrauens.

Das 1089 gegründete Stift Melk gilt als größte Klosteranlage des österreichischen Barocks und als Wahrzeichen der Wachau. Die zum UNESCO-Welterbe gehörende Abtei verzeichnet jährlich rund 500.000 Besucherinnen und Besucher. Wenzl zählt zu einer Generation jüngerer Ordensoberer: Seine Wahl war Teil einer Reihe von insgesamt sieben Abt- und Propstwahlen bzw. -weihen in Österreich im Jahr 2025.
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