Weihbischof im "Rupertusblatt"-Interview über sein Priesterverständnis: "Ich bin nicht Priester geworden, um meine persönliche Frömmigkeit zu steigern, sondern für die Menschen, für das Volk Gottes"
Salzburg, 19.06.2026 (KAP) Vor 50 Jahren wurde der Salzburger Weihbischof Hansjörg Hofer zum Priester geweiht. Im Interview in der neuen Ausgabe des Salzburger "Rupertusblattes" blickte er auf diese 50 Jahre zurück und gab Einblicke in sein Verständnis des Priesteramts. Wörtlich hielt Hofer fest: "Für mich war immer entscheidend: Ich bin nicht Priester geworden, um meine persönliche Frömmigkeit zu steigern, sondern für die Menschen, für das Volk Gottes. Ich möchte für Suchende und Fragende da sein. Und ich weiß: Als Priester bin ich nicht der Macher, sondern Werkzeug Gottes, der verlängerte Arm Christi. Ich stehe nicht im Mittelpunkt, sondern ich bin gesandt, ich gehe für jemanden - für Jesus Christus. Ich bin sein Sprachrohr".
Ihm sei es u.a. immer wichtig gewesen, "die Sakramente einfühlsam und ansprechend zu spenden und zu feiern, damit Menschen eine positive Erfahrung mit der Kirche machen". Der Priester repräsentiere Christus und sei "aus den Menschen genommen und für die Menschen" bestellt, so Hofer: "Er soll aktiv auf die Menschen zugehen und mit ihnen lachen und weinen - sie spüren lassen, dass er sie mag." Die Menschen suchten heute Orientierung. "Der Priester soll nicht belehren, sondern bezeugen", so der Weihbischof weiter.
Fünf Priesterweihen in Salzburg
Dass heuer am 29. Juni in Salzburg gleich fünf Männer zu Priestern geweiht werden, ist für den Bischof ein sehr hoffnungsvolles Zeichen: "Es zeigt: Gott ruft auch heute. Und es ist ein Zeichen, dass die Kirche lebt und Menschen anzieht." Diese Männer bezeugten, "dass die Hingabe an Gott auch heute glücklich machen kann - und dass es mehr gibt als Genuss und Erfolg". Er wolle den Neupriestern mit auf den Weg geben, dass sie "geistliche Menschen und menschliche Geistliche" sein sollten. "Sie sollen versuchen, ganz in der Welt, aber nicht von der Welt zu sein. Sie sollen die Nähe zu den Menschen suchen, ohne sich allem anzugleichen."
Zur Frage, wo er heute die größten Chancen für die Kirche sehe, Menschen mit der Botschaft Jesu Christi zu erreichen, meinte der Weihbischof: "Vor allem an den Wendepunkten des Lebens: in Krisen, beim Scheitern, beim Tod. Dort spüren Menschen die Zerbrechlichkeit des Lebens und suchen Halt. Sie erwarten nicht die persönliche Meinung des Priesters, sondern die hoffnungsvolle Botschaft Jesu." Gerade dort könne die Kirche heute viel bewirken.
Biografische Notizen
Hofer wurde am 14. April 1952 in Stumm im Zillertal geboren. Nach seiner Priesterweihe am 29. Juni 1976 im Salzburger Dom hat er im Laufe der Jahrzehnte eine Vielzahl von Aufgaben übernommen: vom Sekretär des Erzbischofs bis zum Pfarrer in Mittersill, Hollersbach und Rehhof. Er wirkte lange als Ordinariatskanzler und Generalvikar und ist Mitglied des Domkapitels - derzeit in der Funktion des Dompropsts; zudem ist Hofer Bischofsvikar für den Bereich Seelsorge an Priestern und Berufungspastoral.
Am 9. Juli 2017 empfing er im Salzburger Dom die Bischofsweihe. Die priesterliche Tätigkeit in der Pfarre sei für ihn immer ein Ausgleich zur Verwaltung und den Aufgaben in der Zentrale der Erzdiözese gewesen, so Hofer im Interview mit dem "Rupertusblatt".