Wiener Schulamtsleiterin Pinz gegenüber heimischen Kirchenzeitungen über positive Erfahrungen des "dialogisch-konfessionellen" Religionsunterrichts
Wien, 18.06.2026 (KAP) Seit fast 20 Jahren gibt es in Wien den sogenannten "dialogisch-konfessionellen" Religionsunterricht. Sechs christliche Kirchen (katholisch, evangelisch, orthodox, altkatholisch, freikirchlich, neuapostolisch) haben sich darauf geeinigt, dass sie, wenn es die Klassensituation nahelegt, den Religionsunterricht an eine jeweils andere Kirche gleichsam "delegieren" können. Wie die Leiterin des Wiener Schulamts, Andrea Pinz, gegenüber der Kooperationsredaktion der heimischen Kirchenzeitungen berichtete, hat sich das Modell sehr bewährt.
Was mit dem "dialogisch-konfessionellen" Religionsunterricht" konkret gemeint ist, erläuterte Pinz so: "Man einigt sich zum Beispiel, dass die katholische Religionslehrerin katholische und orthodoxe Kinder gemeinsam unterrichtet. Die zweite Konfession muss allerdings authentisch vorkommen." Die Lehrerin müsse ihr Bekenntnis nicht verschleiern, aber beide Lehrpläne beachten. Das sei ein hoher Aufwand für die Unterrichtsvorbereitung. Ein Aufwand, der sich aber lohne, so Pinz: "Es entsteht ein Unterricht, der ein Einüben von Achtung und Respekt vor anderen religiösen Traditionen ist. Es geht einerseits um ein vertieftes Bewusstsein der eigenen Konfession, aber auch um das Trainieren eines Perspektivenwechsels."
Mehr als 160 Schulklassen in Wien setzten dieses Modell bereits um. "Das Projekt genießt hohe Anerkennung in den Schulen, bei den Eltern, bei den Direktionen. Warum? Weil es die Kinder nicht trennt", so Pinz.
Aus dem islamischen Religionsunterricht berichtete gegenüber den Kirchenzeitungen Schulamtsleiterin Carla Amina Baghajati von einer ähnlichen Erfahrung. Denn innerhalb des Islam gibt es eine Vielfalt von Traditionsschulen. Man kann ihre Unterschiede nicht ganz mit den christlichen Konfessionen gleichsetzen. Wo aber Parallelen erkennbar sind, ist, dass Kinder verschiedener Traditionen davon profitieren, wenn sie sich im Islamunterricht miteinander austauschen.
Einig waren sich Pinz und Baghajati in der Feststellung: Wer religiös gebildet ist, neige weniger zu Radikalismus. Obwohl der Religionsunterricht gegen sein Image als unwichtiges Fach ankämpfen muss, spiele er in der Gesellschaft eine bedeutende Rolle.
Österreichweite Schülervertretung betont Bedeutung des Religionsunterrichts, mahnt Wertevermittlung aber schon in der Grundschule auch für Schülerinnen und Schüler ein, die diesen nicht besuchen