Koordinierungsausschuss der offiziellen internationalen Dialog-Kommission zwischen Römisch-katholischer Kirche und Orthodoxer Kirche tagt noch bis Freitag in ungarischer Abtei - Kurienkardinal Koch und orthodoxer Metropolit Job betonen gegenseitigen Respekt und Vertrauen
Pannonhalma, 18.06.2026 (KAP) Ein hochrangig besetztes internationales katholisch-orthodoxes Dialogtreffen findet dieser Tage in der Abtei Pannonhalma in Ungarn statt. Noch bis Freitag tagt auf dem Martinsberg bei Györ der Koordinierungsausschuss der Gemeinsamen Internationalen Kommission für den Theologischen Dialog zwischen der Römisch-katholischen Kirche und der Orthodoxen Kirche. Im Beisein des vatikanischen "Ökumene-Ministers" Kardinal Kurt Koch und von Metropolit Job (Getcha) vom orthodoxen Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel soll dabei unter anderem die Arbeit an einem gemeinsamen Text über historische und theologische Fragen im Zusammenhang mit der Unfehlbarkeit fortgesetzt werden.
Metropolit Job hob im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Kathpress in Pannonhalma den gegenseitigen Respekt und das Vertrauen hervor, das durch die über die Jahre hinweg geleistete gemeinsame Arbeit der katholisch-orthodoxen Dialogkommission gewachsen sei. Man sei so weit gekommen, dass man gemeinsam den trennenden Fragen der Vergangenheit ins Auge sehe und gemeinsam nach möglichen Lösungen suche. Kardinal Koch betonte die gegenseitige Lernbereitschaft. "Keine Kirche ist so reich, dass sie nicht auf den Reichtum anderer Kirchen angewiesen wäre, und zugleich ist keine Kirche so arm, dass sie nicht einen wertvollen Beitrag zum gemeinsamen Schatz des Christentums leisten könnte", sagte der Kurienkardinal und Präfekt des Vatikan-Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen.
Kardinal Koch und Metropolit Job teilen sich den Vorsitz in der seit 1980 bestehenden offiziellen Dialogkommission. In mehrjährigen Abständen finden Vollversammlungen des aus je 30 katholischen bzw. orthodoxen Mitgliedern bestehenden Gremiums statt, zuletzt 2023 in Alexandria (Ägypten). Zwischen den Vollversammlungen findet die Arbeit im Rahmen des Koordinierungsausschusses statt, der die Vollversammlungen inhaltlich vorbereitet und diese Woche in Pannonhalma tagt.
Gebet stiftet Frieden, Versöhnung und Einheit
An einem Gottesdienst in der Abteikirche von Pannonhalma zum Auftakt des Treffens am Dienstag nahmen u.a. auch der Vorsitzende der katholischen Ungarischen Bischofskonferenz, János Székely, der Belgrader Erzbischof Ladislav Német und der Wiener orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis) teil. Kardinal Koch erinnerte in seiner Homilie an den heiligen Papst Gregor den Großen aus dem 6. Jahrhundert. Nach dessen Verständnis müsse ein Bischof ein "sehender Mensch" sein, der diejenigen, die ihm anvertraut sind, aus Gottes Perspektive sieht. Gebet und Gotteslob bildeten die Seele der gesamten ökumenischen Bewegung, so Koch weiter. Füreinander zu beten habe eine Kraft, die Frieden, Versöhnung und Einheit stifte.
Die Benediktiner-Erzabtei Pannonhalma ist neben der Domstadt Esztergom das wichtigste spirituelle Zentrum Ungarns und gilt seit Jahrzehnten auch als bedeutender Ort für den ökumenischen Dialog der christlichen Kirchen. 1996 besuchte Papst Johannes Paul II. (1978-2005) persönlich die Benediktiner von Pannonhalma und rief sie dazu auf, eine Vermittlerrolle zwischen der westlichen und östlichen Christenheit einzunehmen. Auch der frühere Moskauer Patriarch Aleksij II. (1919-2008) und der orthodoxe Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., waren bereits zu Gast, letzterer schon mehrfach.
Seit einigen Jahren organisiert die Abtei jährlich eine stets hochkarätig besetzte internationale ökumenische Konferenz. Pannonhalma verstehe es als seine Berufung "alle Menschen mit benediktinischer Gastfreundschaft zu empfangen, damit sie sich frei von Vorurteilen und Erwartungen, in einer Atmosphäre brüderlicher Liebe begegnen, miteinander beten und miteinander sprechen können", so Erzabt Cirill Hortobágyi.