Requiem für früheren ZdK-Präsidenten Maier: Marx würdigt Lebenswerk
18.06.202611:34
Deutschland/Kirche/Politik/Wissenschaft/Leute
Münchner Erzbischof bei Trauergottesdienst im Liebfrauendom über CSU-Politiker und ehemaligen Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken: So offene Katholiken nötiger denn je
München, 18.06.2026 (KAP/KNA) Mit bewegenden Ansprachen haben Vertreter aus Politik, Kirche und Wissenschaft bei einem Requiem im Münchner Liebfrauendom Abschied vom früheren langjährigen Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Hans Maier, genommen. Der CSU-Politiker und ehemalige bayerische Kultusminister, der als einer der führenden katholischen Intellektuellen Deutschlands galt, war am 8. Juni im Alter von 94 Jahren in München gestorben. Er stand von 1976 bis 1988 an der Spitze des ZdK.
Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx sprach beim Requiem am Mittwoch von einem großen Lebenszeugnis. Viele merkten erst jetzt, was sie an Personen wie Maier verlieren, die aus dem Geist des christlichen Glaubens die Welt gestalten wollten. Maier sei ein liberaler Katholik gewesen, im Sinne eines freien Menschen, aber nicht ungebunden. Hineingestellt in den Weg der Kirche habe er zugleich stets mit ihr gerungen. Der katholische Glaube brauche keinem Denken der Welt auszuweichen. Solch offene Katholiken, im Sinne einer katholischen Aufklärung, seien heute nötiger denn je.
Es gehe darum, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, betonte der Kardinal. Der Mensch sollte nicht andere für sich denken lassen "wie die Künstliche Intelligenz und nicht politische Ideologien und nicht irgendwelche Schwätzer, die uns hereinlegen wollen". Um aber selber denken zu können, brauche es Kraft und Bildung. Deshalb sei die Bildungsfrage entscheidend für die Zukunft.
"Gesicht des politischen Katholizismus"
ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp erinnerte daran, dass ihr Vorgänger über viele Jahrzehnte das Gesicht des politischen Katholizismus gewesen sei. "Wie kaum ein anderer verband er universelle Gelehrtheit mit politischer Gestaltungskraft." Die katholische Soziallehre sei ihm nicht bloß Leitlinie, sondern Herzensanliegen gewesen.
Stetter-Karp verwies auf Maiers Engagement bei der Gründung des Schwangerenberatungsverein "Donum Vitae". In einer schwierigen und schmerzvollen Auseinandersetzung innerhalb von Kirche und Gesellschaft habe er sich dafür eingesetzt, dass Frauen in existenziellen Konfliktsituationen nicht allein gelassen werden. Für das ZdK sei Maier kluger Ratgeber, aufmerksamer Zuhörer und eine Stimme gewesen, die gehört wurde: "Er hat Brücken gebaut - zwischen Positionen, zwischen Generationen, zwischen Kirche und Gesellschaft."
"Es gilt, den Mächtigen den notwendigen Widerspruch nicht zu versagen"
Zu den Trauergästen zählten neben der Familie auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Der ehemalige deutsche Finanzminister Theo Waigel (CSU) nannte Maier einen Glücksfall für die bayerische Politik, als dieser 1970 das Amt des Kultusminister übernommen habe. Mit intellektueller Brillanz sei es ihm gelungen, die umstrittene Kultur- und Schulpolitik zu gestalten, mit der Opposition fair umzugehen, mit den Lehrerverbänden zu kooperieren und die Wissenschaft in Bayern zur Blüte zu bringen.
Aber auch sein Ausscheiden aus der Politik aus dem damaligen Kabinett unter Franz Josef Strauß habe Maier souverän gemeistert, betonte Waigel. Er sei demütig gewesen, aber nicht bereit, sich demütigen zu lassen. So habe sein moralischer Imperativ gelautet: "Es gilt, den Mächtigen den notwendigen Widerspruch nicht zu versagen." Widerstandsgeist habe Maier aber nicht nur in der Politik, sondern auch in der Kirche immer wieder bewiesen, so Waigel. Sein Leben und Wirken werde lebendig bleiben, in Theologie und Philosophie, Geschichte und Politik, im Herzen vieler Menschen.