Seit 750 Jahren prägt der gotische Dom das Bild der Stadt an der Donau und erzählt zugleich von Glaube, Krisen und Aufbrüchen durch die Jahrhunderte - Korrespondentenbericht von Fabian Brand (KNA)
Regensburg, 17.06.2026 (KAP/KNA) Wer in Regensburg die Steinerne Brücke überquert, sieht ihn schon von Weitem: den Dom Sankt Peter. Mächtig recken sich seine beiden Türme in den Himmel hinauf und krönen die Stadt an der Donau. Zwischen Cafés, engen Gassen und vielen baulichen Veränderungen, die es in den vergangenen Jahrhunderten gegeben hat, bildet er die Konstante in der Regensburger Altstadt. In diesem Jahr wird das 750-jährige Bestehen der Bischofskirche gefeiert.
Wobei das mit den 750 Jahren auch nicht ganz stimmt: Wohl um das Jahr 700 hat es in Regensburg schon einen ersten Dombau gegeben, der aber 891 durch einen Brand zerstört wurde. Ein zweiter, romanischer Bau wurde ebenfalls ein Raub der Flammen, weshalb man sich schließlich im Jahr 1275 für die Errichtung des heutigen Doms im gotischen Stil entschied. Mitten in einer aufstrebenden Stadt sollte eine Kirche errichtet werden, die den Himmel auf Erden sichtbar werden lässt.
Lichtdurchflutet, hoch und aufragend
Und dazu griff man eben auf die damals moderne Architekturform zurück, die ihren Ursprung in Frankreich hatte. Lichtdurchflutet, hoch und aufragend sollte die Kirche sein; mächtig von außen und doch zugleich das Geheimnis der Gegenwart Gottes allein im und durch das Licht erfahrbar werden lassen. Bis heute kann man diese Stimmung erleben.
Aufgrund der bunten Glasfenster wirkt der Regensburger Dom oft ein wenig duster. Doch mit Glück erlebt man den richtigen Moment, in dem die Sonnenstrahlen den Hochchor in ein buntes Lichtspiel tauchen. Der aus Silber gefertigte Hochaltar reflektiert das Licht, wodurch die Szene noch eindrücklicher wird.
Für die Architekten der Gotik war das Licht die entscheidende Größe. Sie stützten sich dabei auf Pseudo-Dionysius Areopagita, einen christlichen Autor des frühen 6. Jahrhunderts, der bezugnehmend auf die griechische Philosophie eine Theologie des Lichts entwickelte. Und wie heißt es schon im ersten Johannesbrief? "Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm" (1 Joh 1,5).
Ludwig I. als besonderer Förderer
Die Geschichte des Regensburger Doms verlief allerdings in den vergangenen 750 Jahren nicht immer geradlinig. Jahrhundertelang wurde gebaut, verändert, renoviert. Immer wieder musste man Geld für die aufwendigen Arbeiten aufbringen. Und immer wieder verhinderten auch Krisen und Kriege ein Vorwärtskommen. Erst im Jahr 1872 - und damit fast 600 Jahre nach Baubeginn - konnte der Regensburger Dom vollendet werden.
Mit der Fertigstellung der Türme erhielt die Bischofskirche ihr charakteristisches Aussehen, wie es bis heute weltbekannt ist. Besondere Unterstützung erhielt der Dom damals vom bayerischen Monarchen Ludwig I. Er setzte sich dafür ein, die zwischenzeitlich erfolgte Barockisierung des Doms rückgängig zu machen und den Bau in seiner gotischen Form wiederherzustellen.
Als Bischofskirche hat der gotische Dom nicht nur für die Diözese Regensburg eine besondere Bedeutung. Zahlreiche Fürsten und Bischöfe haben im Dom ihre Grablege gefunden. Darunter der "bayerische Kirchenvater" und Regensburger Bischof Johann Michael Sailer oder Karl Theodor von Dalberg, der ein enges Verhältnis zu Napoleon Bonaparte pflegte. Außerdem ist die Kathedralkirche der Stammsitz der Regensburger Domspatzen, einem der ältesten Knabenchöre der Welt.
Benedikt XVI. besuchte den Dom 2006
Und schließlich kam auch Papst Benedikt XIV., der einige Jahre an der Universität Regensburg lehrte, in den Dom, um dort zu beten. Bei seiner Bayernreise im September 2006 stattete der Pontifex der Regensburger Bischofskirche einen Besuch ab. Und 14 Jahre später kehrte er als emeritierter Papst noch einmal zurück, um für einen kurzen Moment im Dom zu beten.
Zum Jubiläum wird der Dom nun erneut zum Mittelpunkt zahlreicher Veranstaltungen, Gottesdienste und kultureller Projekte. Und doch feiert man nicht nur ein Gebäude. Sondern einen Ort, an dem Menschen seit Jahrhunderten ihre Bitten, ihre Hoffnungen und Ängste hinterlassen haben. Einen Ort, der von einem lebendigen Glauben zeugt.
Und wenn die Sonnenstrahlen durch die farbigen Fenster ins Innere fallen, dann kann man sich mit den Menschen der vergangenen 750 Jahre verbinden, die in eben jenem Lichtspiel versucht haben, die Gegenwart Gottes in seinem heiligen Haus zu erfahren.