Weiterer Schritt gesetzt, wonach das desolate historische Gebäude in ein Hotel umgebaut werden soll
Istanbul, 16.06.2026 (KAP) Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat am Montag im Phanar in Istanbul gemeinsam mit dem Vorsitzenden des türkischen Immobilieninvestmentunternehmens Bilgili Holding ein Abkommen unterzeichnet, das die Sanierung und künftige Nutzung des historischen orthodoxen Waisenhauses auf der Prinzeninsel Büyükada (griechisch: Prinkipos) regelt. Über die Unterzeichnung berichtet u.a. das Infoportal "OrthodoxTimes". Damit ist ein weiterer Schritt gesetzt, wonach das desolate Waisenhaus in ein Hotel umgebaut werden soll.
Eigentlich hätte das Ökumenische Patriarchat das Gebäude restaurieren und in zwei internationale Zentren für den interreligiösen Dialog und für ökologische Studien und Forschung umwandeln wollen. Diese Pläne sind aber an der Finanzierung gescheitert. An der Realisierung der Hotelpläne und der Entwicklung des Standorts ist neben dem türkischen Unternehmen mit der ENSOFI Holding auch ein großes griechisches Unternehmen beteiligt, das für Investitionen in Immobilien und den Tourismusbereich steht. Details über den Inhalt des unterzeichneten Abkommens wurden bis dato nicht kommuniziert.
Waisenhaus mit großer symbolischer Bedeutung
Das Waisenhaus hat für die Orthodoxe Kirche eine große symbolische Bedeutung. An der Geschichte des Hauses auf Büyükada spiegelt sich die wechselvolle und schwierige Geschichte der Kirche in der Türkei wider: Das Waisenhaus war 1898 als Hotel "Prinkipo Palas" eröffnet worden. Sultan Abdul Hamid II. weigerte sich jedoch, für den Betrieb des Luxushotels, zu dem auch ein Casino gehörte, die Betriebsbewilligung zu erteilen. So wurde das Gebäude 1902 von der Frau eines prominenten griechischen Bankiers gekauft und dem Ökumenischen Patriarchat geschenkt. Das Hotel wurde in ein von einer "frommen Stiftung" getragenes Waisenhaus umgewandelt.
Von 1903 bis 1963 war das Waisenhaus Heimat für insgesamt rund 5.800 Kinder der griechischen Minderheit im Osmanischen Reich bzw. später in der Türkei. Nach einem Großbrand musste es geräumt werden. Weil die Behörden dem Patriarchat die Genehmigung zur Instandsetzung verweigerten, konnte die Kirche das Gebäude nach dem Feuer nicht mehr nutzen. 1996 beschlagnahmte der Staat die Liegenschaft mit der Begründung, dass sie nicht mehr für den ursprünglichen Zweck genutzt werde.
Daraufhin trat das Ökumenische Patriarchat den juridischen Weg durch die Instanzen an, um die Rückgabe zu erreichen und ging bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg. Dieser gab 2007 einer Klage des Patriarchats gegen die Enteignung zunächst grundsätzlich Recht und verurteilte die Türkei im Juni 2010 zur Rückgabe des Gebäudes.
Verzögerungen bei der Übergabe und eine langwierige Sicherstellung der für die Renovierung nötigen 20 Millionen Euro führten dazu, dass mit ersten Maßnahmen zur Restaurierung erst 2023 begonnen werden konnte; bisher aber nicht im nötigen Ausmaß.
Patriarch Bartholomaios gab bekannt, dass andere Pläne für das vom Verfall bedrohte größte Holzgebäude Europas auf der Prinzeninsel Büyükada aus finanziellen Gründen nicht realisierbar sind