Verbaler Schlagabtausch zwischen Kirche und Vox-Partei - Korrespondentenbericht von Manuel Meyer
Madrid, 03.05.2026 (KAP/KNA) Ein liberalisiertes Abtreibungsgesetz, aktive Sterbehilfe, staatliche Intervention bei der kirchlichen Missbrauchsaufarbeitung: Es gäbe mit Blick auf die sozialistische Regierung zahlreiche Konfliktthemen, die Papst Leo XIV. bei seinem Spanien-Besuch im Juni ansprechen könnte. Doch es sind nicht die Sozialisten um Ministerpräsident Pedro Sánchez, mit denen die katholische Kirche derzeit im öffentlichen Clinch liegt. Stattdessen dominiert der verbale Schlagabtausch zwischen den Bischöfen und der Vox-Partei seit Tagen die Schlagzeilen. Dabei bezeichnen sich die Rechtspopulisten eigentlich als Verteidiger christlicher Werte.
Doch der Papst dürfte am 8. Juni in seiner Rede vor dem Parlament wahrscheinlich etwas fordern, das Vox gar nicht gefällt: eine Willkommenskultur für afrikanische Migranten. In Barcelona will Leo zudem die Kirche Sant Augstí im Migrantenviertel Raval besuchen, das von Vox immer wieder als "multikulturelle Kloake" bezeichnet wird.
Um seiner migrationsfreundlichen Botschaft noch mehr Ausdruck zu verleihen, wird das Kirchenoberhaupt seine Spanien-Reise auf den unter einem besonders hohen Migrationsdruck leidenden Kanarischen Inseln vor der Küste Afrikas beenden.
Vox-Chef Santiago Abascal erklärte kürzlich in einem Interview, er werde dem Papst im Parlament aufmerksam zuhören. Zugleich stellte er vorsorglich klar: "Wenn uns ein religiöser Führer - sei es der Dalai Lama, der Papst, ein Rabbiner, ein Bischof oder ein Kardinal - sagt, wir müssten Masseneinwanderung und den Vormarsch des Islamismus in der Gesellschaft hinnehmen, werden wir 'Nein' sagen."
Mehr noch: Abascal übte erneut Kritik am Vorsitzenden der Spanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Luis Argüello, und warf den Bischöfen zum wiederholten Mal vor, durch ihre Hilfswerke von illegaler Einwanderung zu profitieren. Wörtlich sagte der Politiker, Argüello habe nicht den Mut, die "mafiöse Regierung" zu kritisieren. "Denn die Regierung verschafft ihnen durch die Invasion ihre Geschäfte. Und das ist ihre Priorität: das Geschäft."
Massenlegalisierung und Bootsmigranten
Hintergrund des Streits ist nicht zuletzt die aktuelle Massenlegalisierung Hunderttausender illegal Eingewanderter durch ein außerordentliches Verfahren der Regierung. Die Kirche zählt zu den Befürwortern der Regelung, von der laut Schätzungen bis zu 750.000 Personen Gebrauch machen könnten.
Auslöser der jüngsten Verbalattacken waren überdies Äußerungen von José Mazuelos, Bischof der Kanarischen Inseln, über fehlendes Mitgefühl für afrikanische Bootsmigranten. Zu kritischen Stimmen, die gegen eine Aufnahme der illegal ankommenden Personen sind, sagte Mazuelos, man sollte die Kritiker für fünf Tage in eines der Boote setzen, damit sie verstünden, was die Betroffenen durchmachten.
Obwohl der Bischof Vox namentlich nicht nannte, fühlte sich die mittlerweile drittstärkste Partei im Parlament angesprochen. Abascal konterte: Mazuelos solle aus seinem "Palast herauskommen" und - statt sich weiter zu bereichern - die negativen Folgen der illegalen Migration selbst erleben.
Francisco César García Magán, Generalsekretär der Spanischen Bischofskonferenz, wies den Vorwurf der Bereicherung umgehend empört zurück. Solche Aussagen hätten nichts mit der Realität zu tun und basierten auf einer "ideologischen Haltung" und "Lügen", sagte Magán bei einer Pressekonferenz.
Der Bischofskonferenz-Vorsitzende Argüello versucht nun, die Wogen einigermaßen zu glätten. Er rief zu einer Rückkehr zum Dialog und zum Verzicht auf polarisierende Parolen auf. Dies sei umso wichtiger beim Thema Migration, das die politischen Debatten nicht nur in Spanien, sondern in ganz Europa bestimme. In diesem Zusammenhang zitierte der Erzbischof Papst Leo XIV., der Ende April gesagt hatte, dass Staaten zwar ihre Grenzen kontrollieren dürften, aber die Würde ankommender Migranten geachtet werden müsse.
Bei der Vox-Partei stehen die Zeichen indes weiter auf Konfrontation. In jüngsten Regionalwahlkampagnen forderte sie eine "nationale Priorität" bei der Vergabe staatlicher Hilfen sowie eine sofortige Abschiebung von Einwanderern ohne Aufenthaltserlaubnis. Obendrein sprachen sich die Rechtspopulisten dafür aus, staatliche Gelder für die Migrantenhilfe der katholischen Caritas zu kürzen.