Harte Herrscher-Kritik und leidenschaftliche Missionspredigten - Papst scheint mit voller Kraft in seinem Amt angekommen - Von Kathpress-Korrespondentin Severina Bartonitschek
Malabo, 23.04.2026 (KAP) Bamm, bamm, bamm: Wenn der Papst kommt, knallt es - zumindest in Äquatorialguinea. Das gilt nicht nur im übertragenen Sinne für seine extrem kritische Rede vor dem diktatorischen Herrscher des kleinen Landes in Zentralafrika, sondern auch wortwörtlich: Bunte Pyrotechnik vernebelte Leos XIV. Ankunft am vorletzten Reisetag auf dem kleinen "Petersplatz" vor der Basilika zur Unbefleckten Empfängnis. Ein Rosenkranz aus Luftballons stieg vor der Fassade empor, die mit Kuppel und zwei Türmen dem ursprünglichen Entwurf von Petersdom-Architekt Gian Lorenzo Bernini erstaunlich nahe kommt.
In Mongomo auf dem Festland des Staates erlebte Leo XIV. am Mittwoch eine Art Heimspiel vor dem Heimflug nach Rom. Das bunte, laute Publikum trug einheitlich gelbe Kappen mit dem Logo des Papstbesuchs, das Konterfei des Kirchenoberhaupts zierte Hemden, Kleider, Hosen - und wo ein Originalfoto des Papstes fehlte, half ein KI-generiertes Bild aus.
Die Kosten des Spektakels für Leo XIV. in dem Land, in dem etwa die Hälfte der Bevölkerung in Armut lebt, sind nicht bekannt. Die Regierung wies Medienberichte zurück, wonach sie Beamten und Streitkräften Gehaltskürzungen auferlegt habe, um den Papstbesuch zu finanzieren.
Papst kritisiert Autokraten
Der Termin in der Basilika war einer der letzten auf Leos elftägiger Afrika-Reise. Nachdem er sich in Algerien für christlich-islamischen Dialog engagiert und vor allem die Wirkungsstätte seines geistlichen Vaters, des heiligen Augustinus, besucht hatte, flog der Papst zunächst nach Kamerun. Dann ging es weiter nach Angola und am Ende in das wohl katholischste Land Afrikas: Äquatorialguinea.
Alle vier Staaten haben koloniale Vergangenheiten, deren Folgen bis heute sichtbar sind. Kleine Machteliten, die nach der Unabhängigkeit die Herrschaft übernahmen, profitieren vom Ressourcenreichtum, die Mehrheit hat das Nachsehen. Alle vier Länder werden von Freedom House als "nicht frei" eingestuft.
Papst Leo XIV. sparte in seinen Ansprachen nicht mit Kritik an der Führung - ganz anders als bei der ersten Auslandsreise seines Pontifikats in die Türkei und den Libanon. Mittlerweile scheint das Kirchenoberhaupt seine Rolle gefunden zu haben.
Das zeigte er bereits auf dem Hinflug, als er sich zu Polemiken von US-Präsident Donald Trump äußerte und auf dessen Verbalattacken entschlossen reagierte. "Ich fürchte weder die Trump-Regierung noch das offene Aussprechen der Botschaft des Evangeliums", sagte er mitreisenden Journalisten. Und: Er sei kein Politiker und wolle sich nicht auf eine Debatte mit Trump einlassen.
Letzteres vertiefte er nach der ersten Hälfte der Reise, nachdem fast jede seiner Ansprachen an die Herrschenden in Afrika in verkürzter Weise als Seitenhieb in Richtung USA gedeutet wurde. Das rückte er zurecht.
In Kamerun las er dem ältesten Staatschef der Welt die Leviten, prangerte die Korruption an und forderte Achtung der Menschenrechte sowie Einsatz für das Gemeinwohl. Befürchtungen, Herrscher Paul Biya könnte den Papstbesuch nach seiner umstrittenen Wiederwahl im letzten Jahr zu seinen Gunsten ausnutzen, zerstreute der Papst damit.
Tod und Verwüstung
Bei einem Friedensgipfel im anglophonen Teil des Landes, der seit zehn Jahren von tödlichen Konflikten zwischen Regierungstruppen und Separatisten beherrscht wird, klagte er "die Handvoll Tyrannen" an, die die Welt verwüsteten. Er verurteilte Kriegsherren, die Leben für immer zerstörten, Milliarden von Dollars für Tod und Verwüstung nutzten, dem Land Ressourcen raubten und Gewinne in Waffen investierten.
Dies sei eine "Spirale der Destabilisierung und des endlosen Sterbens". In Angola prangerte er die Ausbeutung von Rohstoffen an: "Wie viel Leid, wie viele Tote, wie viele soziale und ökologische Katastrophen bringt diese ausbeuterische Logik mit sich." Es gelte, ein "Zusammenleben (zu) fördern, das frei ist von den Arten der Knechtschaft, die von Eliten mit viel Geld und falschen Freuden aufgezwungen werden".
Vor dem weltweit am längsten amtierenden Staatschef, dem seit 1979 in Äquatorialguinea diktatorisch regierenden Teodoro Obiang Nguema Mbasogo, forderte er ein Ende der Ungleichheit zwischen der reichen Minderheit und der armen Mehrheit. Wenige Veränderungen der Lage im Land habe es seit dem Besuch von Papst Johannes Paul II. vor über 40 gegeben.
Papst besucht erstmals Gefängnis
So hart sich Leo gegenüber den Herrschenden äußerte, so nahbar und entspannt zeigte er sich mit der Bevölkerung. Er war in Kinder- und Seniorenheimen, traf Ordensfrauen, psychisch erkrankte Menschen und besuchte erstmals ein Gefängnis. Bei acht Messen predigte Leo mit großer Leidenschaft die Frohe Botschaft von Nächstenliebe und Frieden - unter dem weißen Papstgewand zeigte sich plötzlich der passionierte Missionar früherer Jahrzehnte.
Einmal mehr war das so beim Treffen mit Kindern und Jugendlichen am vorletzten Reisetag in Äquatorialguinea, der wohl lautstärksten Begegnung dieser Tournee. Trotz Starkregens jubelten Tausende Jungen und Mädchen Leo XIV. voller Inbrunst zu und untermalten ihre Freude mit Schlägen auf die Tribünen aus Metall. Bamm, bamm, bamm: Wenn der Papst kommt, knallt es.
(Kathpress-Schwerpunkt mit allen Meldungen und Hintergrundberichten zur Afrika-Reise von Papst Leo abrufbar unter www.kathpress.at/papst-in-afrika)