Open Doors: Mehrere tödliche Angriffe in Nigeria, Absage von Ostergottesdiensten im Nahen Osten
Wien, 15.04.2026 (KAP) Rund um die Osterfeierlichkeiten sind Christen in mehreren Regionen der Welt erneut Ziel von Gewalt und staatlichen Repressionen geworden. Das internationale Hilfswerk Open Doors berichtet in einer Aussendung vom Mittwoch von tödlichen Angriffen in Nigeria sowie Festnahmen und aufgrund von Drohungen abgesagten Gottesdiensten im Nahen Osten. Insgesamt kamen nach Angaben der Organisation mindestens 60 Menschen ums Leben.
Besonders schwer betroffen war erneut der sogenannte "Middle Belt" in Nigeria. Bereits vor Ostern wurden in der Region Plateau nahe Jos 27 Menschen bei einem Angriff in Angwan Rukuba erschossen. Am Ostersonntag griffen Bewaffnete im Bundesstaat Kaduna zwei Kirchen im Dorf Ariko an. Dabei wurden laut lokalen Angaben mindestens fünf bis sieben Menschen während eines Gottesdienstes getötet und weitere Personen entführt. Angaben zur genauen Zahl der Opfer und zur angeblichen Befreiung von Geiseln sind umstritten.
Auch im Bundesstaat Benue kam es am Ostersonntag zu Angriffen auf christliche Dörfer. Nach Angaben lokaler Quellen wurden 26 Menschen getötet. Am folgenden Tag wurden im Bundesstaat Plateau zwei weitere Personen erschossen, die als Wachen im Einsatz waren. Neben gezielten Angriffen auf Christen wurden in der Region Zamfara auch über 150 Menschen unterschiedlicher religiöser Zugehörigkeit entführt, vor allem Frauen und Kinder.
Die Gewalt trifft somit nicht ausschließlich religiöse Gruppen, sondern ganze Dorfgemeinschaften in einem Umfeld anhaltender Unsicherheit, in dem staatlicher Schutz vielfach als unzureichend gilt.
Syrien, Irak und Iran
Auch im Nahen Osten kam es rund um die Karwoche zu Spannungen. In Syrien wurden sechs junge Christen in der Stadt al-Suqaylabiyya festgenommen, nachdem eine Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen eskaliert war und es zu Ausschreitungen gegen christliche Häuser und Geschäfte kam. Während christliche Vertreter auf eine Deeskalation mit lokalen muslimischen Führern setzten, blieben die Festnahmen zunächst auf christliche Beteiligte beschränkt. Zudem wurden in der Provinz Tartus christliche Gräber geschändet und Kreuze von Grabsteinen entfernt.
Im Irak sagten Kirchenführer eine große Palmsonntagsfeier mit Tausenden Teilnehmern aus Sicherheitsgründen ab.
Auch im Iran wurden zahlreiche Osterfeiern eingeschränkt oder abgesagt. In mehreren Ländern der Region prägten Unsicherheit, Drohungen und politische Spannungen die Kar- und Osterwoche. Trotz der Lage betonen kirchliche Stimmen in der Region auch Hoffnung und Durchhaltevermögen. Ein iranischer Kirchenleiter sagte laut Open Doors: "Selbst im Schatten des Krieges schenkt Gott Leben. Selbst in der Vertreibung schenkt Gott seine Gegenwart."
Hunderte Millionen Betroffene
Open Doors zufolge leben weltweit mehr als 388 Millionen Christen in einem hohen Maß an Verfolgung oder Diskriminierung. Die Organisation ist seit 1955 in laut eigenen Angaben rund 70 Ländern aktiv und unterstützt Betroffene unabhängig von ihrer Konfession.