Organisation fordert breitere Bewertung von Schulqualität und weniger Druck durch Vergleichssysteme
Wien, 15.04.2026 (KAP) Der Katholische Familienverband Österreichs spricht sich für mehr Transparenz im Bildungsbereich aus, warnt jedoch vor einer einseitigen Bewertung von Schulen anhand von Leistungsdaten. "Transparenz und evidenzbasierte Maßnahmen im Bildungsbereich sind wichtig und richtig", sagte Andrea Kahl, Schulexpertin des Katholischen Familienverbandes in einer Aussendung. Gleichzeitig sei entscheidend, dass dadurch kein zusätzlicher Druck auf Kinder, Lehrkräfte oder Schulen entsteht.
Hintergrund ist die von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) am Montag verkündete Veröffentlichung standortbezogener Schuldaten ab dem kommenden Schuljahr. Leistungsdaten aus der individuellen Kompetenzmessung PLUS (iKM PLUS) oder der Zentralmatura werden dabei im sogenannten "fairen" Vergleich publiziert - also unter Berücksichtigung der Zusammensetzung der Schülerschaft - hieß es. Als erstes werden im Herbst Daten aus der Volksschule vorliegen, die anderen Schulformen folgen im Lauf des Schuljahrs. Weiters werden quantitative Merkmale der Schule veröffentlicht wie die Zahl der Schüler, Klassen, die durchschnittliche Klassengröße sowie Schulschwerpunkte. Nicht möglich sein soll allerdings die Erstellung von Schulrankings aus den Leistungsdaten.
Der Verband kritisiert insbesondere Vergleiche, die sich ausschließlich auf Ergebnisse standardisierter Tests stützen. Schule sei "weit mehr als das erreichte Lernniveau", so Kahl, und erfülle auch soziale und integrative Funktionen.
Stattdessen plädierte die Organisation für eine breitere Bewertung von Schulqualität. Neben Testergebnissen sollten auch Rahmenbedingungen wie Sprachförderbedarf, soziale Unterstützungsangebote oder schulische Projekte berücksichtigt werden. Auch die Perspektive von Schülerinnen und Schülern müsse stärker einfließen, etwa in Bezug auf ihr Sicherheits- und Unterstützungsgefühl im Schulalltag.
Mit Blick auf die Bildungspolitik appellierte der Familienverband an Bildungsminister Christoph Wiederkehr, bei der Veröffentlichung von Daten "behutsam" vorzugehen, um Ranglisten zu vermeiden. "Es soll darum gehen, voneinander zu lernen, nicht darum, Schulen an den Pranger zu stellen", lautete der Wunsch an Politik wie Medien.