Autorin Bossong, Jesuit Kiechle und Bischof Overbeck referieren in Frankfurt über geistliche Herausforderungen seit 1926 - Chefredakteur Benke: Glaube als reflektierte Praxis im Alltag
Frankfurt/Wien, 15.04.2026 (KAP) Die von den Jesuiten herausgegebene Zeitschrift "Geist & Leben" blickt 2026 auf 100 Jahre Beschäftigung mit Theologie und christliche Spiritualität zurück. Aus diesem Anlass findet von Freitag bis Sonntag in Frankfurt am Main an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen eine Jubiläumstagung statt. Sie steht unter dem Motto "Spiritualität in gesellschaftlichen, kirchlichen und theologischen Umbrüchen" und fragt nach der Bedeutung von Glauben und Spiritualität in Zeiten tiefgreifender Veränderungen.
Das Programm umfasst Vorträge, Podiumsdiskussionen und Workshops, darunter ein Gespräch über die Frage nach einem "gelingenden Leben". Zu den Referierenden zählen die Schriftstellerin und Thomas-Mann-Preisträgerin Nora Bossong, die Theologin Eva-Maria Faber (Chur), P. Stefan Kiechle SJ sowie der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck.
Die 1926 gegründete Zeitschrift erschien zunächst unter dem Titel "Zeitschrift für Aszese und Mystik" und trägt seit 1947 ihren heutigen Namen. Sie versteht sich als Forum für Fragen der Spiritualität und theologischen Reflexion und verbindet Glaubenspraxis mit intellektueller Auseinandersetzung.
Geprägt ist Geist & Leben von der ignatianischen Spiritualität, die Glauben als reflektierte Praxis im Alltag versteht. Nachdenken über den Glauben sei notwendig, um einfache Antworten auf komplexe Lebensfragen zu vermeiden, so der Wiener Priester und Chefredakteur Christoph Benke. Spiritualität sei zugleich immer auch Quelle theologischer Weiterentwicklung gewesen.
Benke verweist darauf, dass institutionalisierte Religion heute zwar häufig kritisch gesehen werde und Spiritualität als Gegenbegriff gelte, dieser jedoch oft unscharf bleibe. Deshalb sei eine Klärung des Begriffs notwendig. Der Kern christlicher Spiritualität bleibe dagegen unverändert im Bezug auf den dreifaltigen Gott, während sich ihre sprachlichen und kulturellen Ausdrucksformen im Laufe der Zeit deutlich verändert hätten.
Heute richtet sich die Zeitschrift nicht mehr nur an Priester und Ordensleute, sondern an alle, die sich vertieft mit Glaubensfragen beschäftigen. Neben klassischen christlichen Themen werden auch interreligiöse Perspektiven und säkulare Spiritualitätsformen einbezogen. Ziel bleibt es, Glauben durch Reflexion verständlich zu machen und in den Alltag zu übersetzen. (Infos: www.geist-und-leben.de)