Interimistische ORF-Generaldirektorin und Wiener Erzbischof Josef Grünwidl bekräftigen Notwendigkeit eines qualitätsvollen und zugleich kritischen Religionsjournalismus
Wien, 14.04.2026 (KAP) Die interimistische ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher ist am Mittwoch erstmals mit den Spitzen der Kirchen und Religionsgesellschaften zum Gedankenaustausch zusammengetroffen. Im Zentrum der Veranstaltung im ORF-Mediencampus in Wien stand der offene Dialog über Programmstrategien, gesellschaftliche Erwartungen und die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks angesichts tiefgreifender gesellschaftlicher und medialer Veränderungen.
Übereinstimmend wurde festgestellt, dass Religion trotz aller Veränderungen einen bleibenden Stellenwert im persönlichen und gesellschaftlichen Leben vieler hat und dass der ORF im Rahmen seines Programmauftrages dem gebührend und qualitätsvoll Rechnung trägt. Die Vertreterinnen und Vertreter der gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften unterstrichen die Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für die Allgemeinheit. Sie würdigten unisono vor allem die Qualität der Programme der ORF-Hauptabteilung "Religion und Ethik multimedial".
Unabhängiger Religionsjournalismus
"Unabhängiger Religionsjournalismus ist heute keine Nische mehr. Er ist eine demokratische Notwendigkeit. Religion ist zurück im Zentrum gesellschaftlicher Auseinandersetzungen: politisch wirksam, ethisch aufgeladen, kulturell umkämpft", stellte Thurher einleitend fest. Gerade deshalb brauche es einen Journalismus, der hinschaut, einordnet und auch widerspricht. "Ein Religionsjournalismus - so wie wir ihn verstehen - braucht klare Prinzipien: Unabhängigkeit, Fach- und Sachkenntnis, sprachliche Präzision und die Fähigkeit zur Kritik ohne Polemik", betonte die interimistische Generaldirektorin.
Für die Berichterstattung des ORF über Kirchen und Religionsgesellschaften brauche es auch deren Offenheit, Auskunftsbereitschaft und die Bereitschaft zum Dialog, zur Diskussion und zur kritischen Auseinandersetzung. "Sie gestalten unsere Gesellschaft mit - in ihrer Vielfalt, in ihrem Engagement, in ihrer Suche nach Sinn und Orientierung", sagte Thurnher in Richtung der Kirchen und Religionen. Von daher sehe es der ORF "als seine Aufgabe, dieses Wirken sichtbar zu machen: differenziert, verständlich und auch kritisch. Mit Respekt vor ihrer Vielfalt und im Bewusstsein unserer gemeinsamen Verantwortung."
Der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl bekräftigte die Notwendigkeit eines qualitätsvollen Religionsjournalismus: "Kirchliche Medienpräsenz darf sich nicht auf 'Hofberichterstattung' beschränken. Kritischer Religionsjournalismus ist hilfreich und für mich auch wünschenswert, sofern er fair ist und auf solider Recherche beruht. Ich wünsche mir auch in Zukunft eine kritische und wohlwollende mediale Aufmerksamkeit und danke dem ORF, dass religiöse Themen vielfältig präsent sind."
Resilienz und Hoffnung
In Krisen bestehe die Gefahr, dass Menschen sich darin "einrichten" und damit abfinden und dass Medien auf "bad news" fokussiert seien. Demgegenüber habe das Religionsangebot im ORF auch die Aufgabe, den Blick der Hoffnung einzubringen, gab der neue Wiener Erzbischof zu bedenken, zumal Religion auch Resilienz stärken könne. Er verwies in diesem Zusammenhang auf ein Wort von Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch in Wien im Jahr 1983 an Medienschaffende: "Ermöglichen Sie es dem Guten, als ebenso spannend erlebt zu werden wie das Unerfreuliche."
Religion sei gleichsam eine Querschnittsmaterie und betreffe nicht nur die ORF-Hauptabteilung "Religion und Ethik multimedial", sondern auch andere Redaktionen und Programme des ORF. Diese sollten dabei die hausinterne Expertise der Religionsabteilung nutzen, regte Grünwidl an.
Im Blick auf die gebotene Vielfalt im ORF unterstrich der steirische Bischof Wilhelm Krautwaschl die Bedeutung der neun Landesstudios. Der ORF habe nicht nur den Auftrag zu informieren, sondern auch zahlreiche Möglichkeiten, um zu motivieren. Als ein gelungenes Beispiel dafür nannte der Grazer Bischof die von ORF-Dok1 ausgelöste Welle des Handy-Fastens von Jugendlichen.
Religiöse Vielfalt
Zum Dialog gekommen waren auch Cornelia Richter, Bischöfin der Evangelischen Kirche A.B., Maria Kubin, Bischöfin der Altkatholischen Kirche, Jaron Engelmayer, Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Ümit Vural, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, und Gerhard Weißgrab, Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft. Seitens der katholischen Kirche waren u.a. auch die Vorsitzende der Österreichischen Ordenskonferenz, Priorin Sr. Franziska Madl, Caritas-Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler und die Vizepräsidentin der Katholischen Aktion, Katharina Renner, anwesend sowie ORF-Publikumsrat Christoph Riedl.
Moderiert wurde die Gesprächsrunde von Barbara Krenn, Leiterin der ORF-Hauptabteilung "Religion und Ethik - multimedial", die u. a. die strategischen Neuausrichtungen im Programmangebot präsentierte. Ausgangspunkt dafür sind die veränderten Mediengewohnheiten in der Gesellschaft und die vom ORF initiierte Studie "Was glaubt Österreich?" der Universität Wien, die deutlich veränderte Glaubens- und Wertvorstellungen der Menschen in Österreich belegt. Erarbeitet wurde die Studie von der Wiener Pastoraltheologin Prof. Regina Polak gemeinsam mit Prof. Astrid Mattes Zippenfenig, die beide an der Dialogveranstaltung im ORF-Zentrum teilnahmen.
Neue Formate im Religionsprogramm
Im Rahmen der Begegnung wurden digitale Explainer-Formate wie die Serie "Schlüsselmomente der Religionen", die ausgehend von ikonischen Fotografien Wendepunkte der Religionsgeschichte beleuchten, und die Serie "Was im Leben zählt", die sich anhand von zehn Philosophinnen und Philosophen grundlegenden Fragen des Zusammenlebens widmet, vorgestellt. Neu entwickelte Podcast-Formate wie "Macht und Herrlichkeit - der Ö1-Popecast", der sich der Geschichte des Papsttums im Spannungsfeld von Religion, Politik und Macht widmet, und der Ethikpodcast "Die entscheidende Frage" wurden ebenso präsentiert. Wie Krenn ausführte, wolle der ORF mit den neuen "Was glaubt Österreich?-Zaungesprächen" zum gesellschaftlichen Austausch über verschiedene Ansichten zu Wert- und Glaubensvorstellungen beitragen.
Unabhängiger Religionsjournalismus sei heute wichtiger denn je, "weil er komplexe Glaubensfragen faktenbasiert einordnet und so zur Orientierung in einer zunehmend unübersichtlichen Informationslandschaft beiträgt", hielt Krenn im Rahmen ihrer Präsentation fest und sagte: "In Zeiten von Fake News hilft er dabei, Narrative kritisch zu prüfen und religiöse Themen nicht für ideologische Zwecke verzerrt darzustellen." Gerade weil Religion wieder stärker politisch aufgeladen sei, brauche es eine "redaktionell unabhängige Berichterstattung, die differenziert, respektvoll und zugleich kritisch über Macht, Glauben und Gesellschaft berichtet."
Interimistische ORF-Generaldirektorin Thurnher lud Spitzen der Kirchen und Religionsgesellschaften zum Gedankenaustausch - Im ORF-Mediencampus fand heute, Dienstag, 14. April 2026, ein Round Table statt, bei dem auf Einladung des ORF Vertreterinnen u
Interimistische ORF-Generaldirektorin Thurnher lud Spitzen der Kirchen und Religionsgesellschaften zum Gedankenaustausch
Interimistische ORF-Generaldirektorin Thurnher lud Spitzen der Kirchen und Religionsgesellschaften zum Gedankenaustausch - Im ORF-Mediencampus fand heute, Dienstag, 14. April 2026, ein Round Table statt, bei dem auf Einladung des ORF Vertreterinnen u