Kardinal Marx: Kirche muss Menschenwürde verteidigen
12.01.202617:11
Deutschland/Kirche/Gesellschaft/Medien/Leute
Münchner Erzbischof: Hätte mir früher nicht träumen lassen, dass Kirche einmal zur Verteidigerin von Freiheit und Aufklärung werden muss
Bonn, 12.01.2026 (KAP/KNA) Kardinal Reinhard Marx hat angesichts des aktuellen Klimas in Politik und Gesellschaft zur Verteidigung der Menschenwürde aufgerufen. Das gelte auch für die Kirche. "Kirche muss den Mund aufmachen", forderte der Münchner Erzbischof am Montag bei einem Fest des Medienunternehmens "PubliKath" in Bonn. "Die Demokratie ist in schweren Gewässern", befand der Kardinal. Wie zerbrechlich diese Demokratie sei, hätten viele allzu lange unterschätzt. Dabei zeige ein Blick auf die Anfänge des NS-Regimes, wie schnell die Verhältnisse kippen könnten. "Man wird unruhig", so Marx.
Er beobachte mit großer Sorge, dass die Errungenschaften der Moderne von vielen Seiten inzwischen infrage gestellt würden, so der Münchner Erzbischof weiter. So habe er es sich zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn nicht träumen lassen, dass Kirche einmal zur Verteidigerin von Freiheit und Aufklärung werden müsse. Mit Vorsicht und Skepsis kommentierte Marx die jüngsten Äußerungen von Papst Leo XIV. zum Thema Meinungsfreiheit. Er hätte sich gewünscht, dass der Papst hier konkreter geworden wäre, sagte er.
In seiner ersten Neujahrsansprache an die beim Vatikan akkreditierten Diplomaten hatte Leo XIV. eine zunehmende Einschränkung der Meinungs- und Gewissensfreiheit in der westlichen Welt beklagt: "Es ist bedauerlich festzustellen, dass insbesondere im Westen der Raum für echte Meinungsfreiheit immer mehr eingeschränkt wird, während sich eine neue Sprache mit orwellschem Beigeschmack entwickelt, die in ihrem Bestreben, immer inklusiver zu sein, darin mündet, diejenigen auszuschließen, die sich nicht den Ideologien anpassen, von denen sie beseelt ist."
Marx sagte dazu: "Ich bin unschlüssig über dieses Zitat, weil ich nichts damit anfangen kann." Es könne auf US-Präsident Donald Trump gemünzt sein, genau wie auf viele andere Situationen. Aus seiner Sicht, so Marx weiter, wäre es besser gewesen, der Papst hätte hier konkretere Beispiele genannt. Allgemein sei richtig, dass es nicht nur etwa in China Probleme mit der Meinungsfreiheit gebe, sondern auch in anderen Ländern.
Marx ist als Vorsitzender der Publizistischen Kommission innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz für Medienfragen zuständig. Die "PubliKath GmbH" ist aus der Umstrukturierung des Katholischen Medienhauses hervorgegangen. Zu ihr gehören die deutsche katholische Nachrichten-Agentur KNA, die Internetplattformen "katholisch.de" und "filmdienst.de" sowie mehrere Partnerportale.
Moraltheologe Bormann: Neujahresempfang von Leo XIV. lieferte neue Akzente - Familie als "gesamtgesellschaftliche Aufgabe" mit klaren Implikationen für die Politik
Papst-Reden an die beim Vatikan akkreditierten Botschafter werden besonders aufmerksam gelesen. Oft enthalten sie Programmatisches. Papst Leo XIV. überraschte die Diplomaten mit Seitenhieben gen Westen - Von Kathpress-Rom-Korrespondent Ludwig Ring-Eifel