Vorerst kein Schlusspapier nach Synodalversammlung von Italiens Kirche
03.04.202515:01
Italien/Vatikan/Kirche/Reformen/Synodaler.Prozess
Aufruhr in Italiens Kirche? Für Synodalen Prozess verantwortlicher Erzbischof räumt Fehler in der finalen Phase des bislang vierjährigen Prozesses ein - Geplantes Schlussdokument muss noch einmal komplett überarbeitet werden
Rom, 03.04.2025 (KAP) Aufstand unter den eher frommen und gehorsamen Katholiken Italiens: Der kirchliche Reformprozess des Landes endet vorerst ohne Schlussdokument. Während der dreitägigen Beratungen über die Zukunft der lokalen Kirche seien so viele Änderungsvorschläge eingereicht worden, dass das vorgeschlagene Abschluss-Schreiben noch einmal komplett überarbeitet werden müsse, so der Verantwortliche des Synodalen Prozesses in Italien, Erzbischof Erio Castellucci am Donnerstag. Die Anpassung einiger Teile des Textes reiche nicht aus. Am 25. Oktober soll die finale Version zur Abstimmung gestellt werden. Darauf solle dann die Umsetzungsphase folgen.
In seiner Rede räumte Castellucci Fehler in der finalen Phase des bislang vierjährigen Prozesses ein. Dazu zählten ein zu knapper Zeitplan und Kommunikationsprobleme über die Vielzahl an erarbeiteten Dokumenten. Auch daraus resultiere der nun unzureichende Textvorschlag.
Der Zeitung "La Repubblica" (online Donnerstag) sagte ein namentlich nicht genannter Teilnehmer: "Wir haben uns vier Jahre lang getroffen, diskutiert, studiert, uns ausgetauscht, Vorschläge gemacht, und im Text war nichts davon zu finden." Es habe zwar eine Anerkennung der Rolle der Frauen in der Kirche gegeben, aber keinen Hinweis auf die Möglichkeit neuer weiblicher Weiheämter.
Bei Menschen mit nicht-heterosexueller Orientierung sei lediglich deren Begleitung vorgesehen, ansonsten fänden sie in dem Dokument nicht statt. Zudem enthalte es wenig bis gar nichts zum Thema des sexuellen Missbrauchs. Der Zeitung zufolge haben die Delegierten den Text in zahlreichen Wortmeldungen mit Kritik "überschüttet", die Zahl der Änderungsvorschläge sei lawinenartig gewesen. Diese sollen laut Castellucci nun alle eingearbeitet werden - zuvor war nur eine begrenzte Zahl von Änderungen vorgesehen gewesen.
Zahlreiche Menschen ohne Weihe als Teilnehmer
Rund tausend Menschen nahmen laut der Italienischen Bischofskonferenz CEI an den am Mittwochabend mit einem Pilgergang durch die Heilige Pforte und einem Gottesdienst im Petersdom zu Ende gegangenen Beratungen in Rom teil. Darunter waren 540 Menschen ohne Weihe. Frauen bildeten mit 277 Teilnehmern die größte Gruppe. Von den mehr als 200 Bischöfen in Italien nahmen 168 an der Versammlung teil. Die inhaltlichen Beratungen waren nicht medienöffentlich.
Zu Beginn der Synodalversammlung hatte der Bischofskonferenz-Vorsitzende, Kardinal Matteo Zuppi, die Teilnehmer ermutigt, sich auf eine "ernste und weise Arbeit, kühn und voller Hoffnung" einzustellen. Es gehe um eine Erneuerung des Glaubens unter den Bedingungen der heutigen Zeit.
Am letzten Tag der Beratungen kamen die Arbeitsgruppen im Vatikan zusammen und tauschten sich über die Ergebnisse ihrer Teil-Diskussionen aus. Am Nachmittag standen sogenannte Zeugnis-Berichte auf dem Programm. Dabei erzählten Menschen von Glaubenserfahrungen in besonders herausfordernden Situationen. Unter ihnen waren der Gefängnisseelsorger Claudio Burgio aus Mailand und die Mutter des prominenten Progerie-Patienten Sammy Basso, der im vergangenen Oktober im Alter von 28 Jahren starb.
Die katholische Kirche in Italien ist mit an die 50 Millionen Mitgliedern die größte in Europa. Ein spürbar abnehmender Gottesdienstbesuch und sinkende Priesterzahlen stellen die Kirche des Landes seit einigen Jahren vor ungewohnte Herausforderungen.