Thomas Gremsl erörtert bei Frühjahrsakademie am 4. April im steirischen Stift Vorau Möglichkeiten und Gefahren von KI - "Glaube bleibt zentrale Quelle für Orientierung"
Graz, 03.04.2025 (KAP) Künstliche Intelligenz hat längst Einzug in den Alltag der Menschen gefunden. Ob und wo sie dabei eine unterstützende Rolle übernimmt oder schadet, untersucht KI-Forscher Thomas Gremsl an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz. Schon "schwache" KI-Systeme wie ChatGPT, Alexa oder Midjourney würden "ein ganzes Bündel an ethisch relevanten Fragen aufwerfen", erklärte Gremsl im Interview mit der "Kleinen Zeitung" (3. April). Im Vorfeld der Frühjahrsakademie (4. April) zum Thema KI im steirischen Stift Vorau, wo Gremsl als Hauptredner auftritt, plädierte der Theologe darum für einen verantwortungsvollen Umgang mit KI.
KI-Tools greifen tief in den Alltag der Menschen ein und "beeinflussen unser Denken, Handeln und Entscheiden subtil, aber weitreichend", so Gremsl. Der Umgang mit KI müsse darum nach bestimmten Werten und Interessen aktiv gestaltet werden. Ein zu starkes Vertrauen auf die "vermeintliche Potenz" von KI bringe die Gefahr mit sich, dass Kompetenzen und grundlegendes Wissen von Menschen vernachlässigt werden oder gar verloren gehen. Den Menschen zeichneten jene Qualitäten aus, die der KI fehlen, sagte Gremsl, "die Fähigkeit zu zweifeln, zu deuten, zu hoffen - und Verantwortung zu übernehmen".
"Gefährliche Verschiebung"
In einer zunehmend digitalisierten Welt, in der Technik als unfehlbar gilt, droht eine "gefährliche Verschiebung", warnte der Forscher. "KI-Systeme werden überhöht, als hätten sie Einsicht oder Urteilskraft. Tatsächlich aber beruhen sie auf Wahrscheinlichkeiten - sie berechnen, sie verstehen nicht." Bei der Suche nach Orientierung und Halt im Leben der Menschen hob Gremsl insbesondere die Bedeutung des Glaubens hervor: "Es braucht einen Glauben, der nicht berechnet, sondern vertraut - und der dem Menschen in seiner Tiefe gerecht wird."
Bei der traditionellen Frühjahrsakademie (4. April) im steirischen Stift Vorau wird Gremsl als Hauptredner einen Vortrag zum Thema "Zwischen Fortschritt und Verantwortung: Ethische Perspektiven der digitalen Transformation" halten. Auch eine Podiumsdiskussion mit Gremsl sowie der ORF-Journalistin Monika Kalcsics und dem Gesundheitsinformatiker Joachim Waitl ist geplant. Veranstaltet wird die Frühjahrsakademie vom Verein Frühjahrsakademie Stift Vorau in Kooperation mit dem Chorherrenstift Vorau, dem Haus der Frauen sowie der Marktgemeinde Vorau. (Infos: www.stift-vorau.at)