Sozialbischof Wilmer: Arbeit muss mehr sein als Geld verdienen und funktionieren -
Forderung nach besserer Bildungspolitik
Bonn/Nürnberg, 02.04.2025 (KAP/KNA) Die katholische Deutsche Bischofskonferenz (DBK) hat ein Papier zum gesellschaftlichen Umgang mit der menschlichen Erwerbsarbeit vorgelegt. Arbeit müsse mit all ihren Dimensionen als Teil des Menschseins betrachtet werden, sagte der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer am Mittwoch bei der Vorstellung des Dokuments in Nürnberg. Er leitet die DBK-Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen. "Wenn Arbeit nur noch als Last empfunden wird, geht verloren, dass Arbeit einen Beitrag zu einem erfüllten Leben und einem guten Miteinander leisten kann", heißt es in dem Impulspapier.
Wilmer erinnerte daran, dass die Kirche sich in ihrer Soziallehre schon seit über 150 Jahren mit der Sozialen Frage auseinandersetze. Derzeit verändere sich in der Arbeitswelt viel, etwa durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Arbeit sei dennoch eine Chance, dass verschiedene Menschen an ihrem Arbeitsplatz miteinander in Berührung kämen, so der Bischof.
Nötig sei aber auch, Diskussionen über Arbeitsbedingungen zu führen. Wilmer warnte davor, das Verständnis von Arbeit auf "Geld verdienen, funktionieren, durchhalten" zu reduzieren. Um die Zusammenarbeit von Unternehmern und Arbeitnehmern menschenwürdig auszugestalten, bedürfe es ethischer Grundlagen.
Forderung nach besserer Bildungspolitik
Zudem forderte Wilmer eine Bildungs- und Sozialpolitik, die es allen ermögliche, zu arbeiten, um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Junge Menschen müssten stärker gefördert werden. Die jeweiligen beruflichen Perspektiven hingen noch immer zu stark von der eigenen Herkunft ab.
Auch die Vorsitzende der deutschen Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, betonte diese Notwendigkeit. Zwar sei schon viel erreicht worden. Doch die Herausforderungen hätten sich verschoben. Früher habe sie selbst als "katholisches Arbeitermädchen vom Land" zur Gruppe mit dem größten Bildungsnachteil gehört, sagte die ehemalige Ministerin und SPD-Vorsitzende. Heute bestehe diese Gruppe aus Jungen mit Migrationshintergrund, die in Städten lebten. Daher brauche es neue Antworten und Initiativen. Dazu gehöre auch, schwächere Kinder früher zu identifizieren und dann entsprechend zu fördern.
Lob von Nahles
Zugleich betonte Nahles, das Papier der Bischöfe sei in der aktuellen weltpolitischen Situation eine ausgewogene Stimme. Das Thema Arbeit gehöre in die Mitte der Gesellschaft, auch weil die Arbeitswelt immer starken Veränderungen unterworfen sei. Arbeit und Privatleben hätten früher viel unmittelbarer zusammengehört. Nachdem sich beides stärker voneinander getrennt habe, komme das Thema seit der Corona-Pandemie wieder auf, wenn viele Menschen auch von zu Hause aus arbeiteten.
Auch der Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf die Arbeitswelt sei ein wichtiges Thema, sagte Nahles. Menschen müssten sich dadurch mit neuen Abläufen vertraut machen. Zudem sei das Thema an vielen Stellen mit Unsicherheiten besetzt, auch da der Wandel so rasant geschehe.
Kritik an herablassender Sprache
Nahles kritisierte zudem, wie oft über Arbeitslose gesprochen wird. Sicherlich gebe es "Totalverweigerer", auch müsse man in manchen Fällen den Geldhahn zudrehen. Die meisten Leute seien allerdings hilflos und erschüttert, wenn sie arbeitslos würden. Sie wollten möglichst schnell wieder aus ihrer Lage herauskommen. Sie lobte das Arbeitspapier für die verwendete Sprache. Darin komme auch Wertschätzung für Menschen und die von ihnen geleistete Arbeit zum Ausdruck.