Innsbrucker Theologe seit März Sonderbeauftragter für "Kampf gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung" - "Die internationale Weltordnung steht unter einem Druck, wie zuletzt vor dem Zweiten Weltkrieg"
Wien/Innsbruck, 02.04.2025 (KAP) Politische Instrumentalisierung von Religion, wachsende Intoleranz und die Notwendigkeit eines stärkeren interreligiösen Dialogs - das sind die zentralen Herausforderungen, denen sich der Innsbrucker Theologe Wolfgang Palaver in seiner neuen Funktion als Sonderbeauftragter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) stellen möchte. Die gegenwärtige internationale Lage bezeichnete Palaver im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Kathpress als äußerst angespannt. "Die internationale Weltordnung steht unter einem Druck, wie zuletzt vor dem Zweiten Weltkrieg. Umso wichtiger sei es, Frieden und Dialog zu fördern. Der interreligiöse Dialog sei eine "Frage des Friedens und der Gerechtigkeit", unabhängig von der Größe einer Religionsgemeinschaft, so der Friedensethiker.
Sein Mandat umfasst den Kampf gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung, mit besonderem Fokus auf religiöse Intoleranz. Die Ernennung erfolgte offiziell am 11. März durch die finnische Außenministerin Elina Valtonen. Finnland hat in diesem Jahr den OSZE-Vorsitz inne.
Als Vertreter gegen religiöse Diskriminierung sieht Palaver seine Rolle nicht nur im Aufzeigen von solcher, sondern auch in der Differenzierung zwischen Diskriminierung und Instrumentalisierung von Christentum. Aktuell bestehe "die große Sorge, dass das Christentum von einer politischen Bewegung, wie dem Rechtspopulismus, zur Ab- und Ausgrenzung benutzt wird". Konkret zeigt sich das laut Palaver in der scheinbar christlich argumentierten Ablehnung des Islams oder der Hervorhebung der christlichen Wurzeln Europas, "um sich von anderen abzugrenzen".
Förderung von Toleranz und interreligiösem Dialog
Umso wichtiger sei es, künftig mehr Begegnungsräume für Junge unabhängig von Religion, Herkunft, Lebensräume oder "Bubbles" zu schaffen, wo sie sich treffen und austauschen könnten, betonte der Friedensethiker. Als zentrales Anliegen seines Mandats nannte der Präsident von Pax Christi Österreich daher auch die Förderung einer "Haltung der Toleranz" und "Haltung der Nicht-Diskriminierung", insbesondere bei Jugendlichen.
Palaver möchte zudem zur Stärkung der Religionsfreiheit "in einem umfassenden Sinn" beitragen. Als besorgniserregend bezeichnete er die Ergebnisse einer Eurobarometer-Umfrage, laut der nur 18 Prozent der Befragten mit der Religionsfreiheit zufrieden sind. Kritik äußerte der Theologe dabei u.a. am österreichischen System der Religionsanerkennung. Dieses sieht drei Stufen vor: gesetzlich anerkannte Kirchen und Religionsgesellschaften mit dem Status einer Körperschaft öffentlichen Rechts, religiöse Bekenntnisgemeinschaften mit Rechtspersönlichkeit, aber ohne diesen Status, sowie religiöse Vereine. Als Beispiel nannte Palaver die Bahai, die aufgrund ihrer geringen Mitgliederzahl in Österreich nicht als Kirche oder Religionsgesellschaft in der ersten Kategorie anerkannt sind. Er regte eine kritische Reflexion dieses Systems an.
Palaver lehrte bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2023 Systematische Theologie an der Universität Innsbruck. Seine wissenschaftliche Arbeit konzentriert sich insbesondere auf Themen wie Gewaltfreiheit, Religion und gesellschaftlichen Frieden. Der international anerkannte Theologe ist außerdem Präsident von Pax Christi Österreich. Der Friedensethiker folgte auf die Wiener Pastoraltheologin Regina Polak, die ihr Mandat zurücklegte.
Der OSZE mit Sitz in Wien gehören 57 Staaten an. Sie umfasst vor allem europäische Länder, aber auch die Staaten Zentralasiens, die USA und Kanada. Dazu kommen elf Partnerstaaten, die meisten in Nordafrika. Gegründet wurde die OSZE im Zuge des Ost-West-Konflikts durch die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) mit den Helsinki-Verträgen 1975, die wesentlichen Einfluss auf die weitere Entwicklung in Europa hatten.
Für "Kampf gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung" - Finnischer Vorsitz stellt Unterstützung der Ukraine in Mittelpunkt von OSZE-Präsidentschaft 2025 - Innsbrucker Dekan würdigte Palavers Experten-Bestellung als "Auszeichnung und Bestätigung der Bedeutsamkeit seiner wissenschaftlichen Arbeit als Sozialethiker sowie seines zivilgesellschaftlichen Engagements"