Rico Gulda: OÖ Stiftskonzerte geben Bühne für Klassik und Innovation
02.04.202514:47
Österreich/Konzert/Kirche/Klassik/Musik/Orden
Philosophische Gesprächsrunden, Projekt "Composers in Residence" und Weltstars in Oberösterreich bringen intellektuelle, neuartige und klassische Formate auf die Bühne
Linz, 02.04.2025 (KAP) 21 Veranstaltungen zwischen 31. Mai und 27. Juli bieten die Oberösterreichischen Stiftskonzerte heuer. Sie führen in die Stifte St. Florian, Kremsmünster, Wilhering, Lambach, Schlierbach und Reichersberg und geben klassischen wie innovativen Formaten eine Bühne. Die Stifte sollen sowohl als Auftrittsorte für klassische Konzerte als auch "als intellektuell und philosophisch aufgeladene Räume" genutzt werden, wie der künstlerische Leiter Rico Gulda im Interview mit den "Oberösterreichischen Nachrichten" (2. April) erklärte.
"Es gibt eben relevante Fragen in unserer Gesellschaft, die über das reine Verfolgen von Musik nicht beantwortet werden können", legte der Sohn des bekannten Pianisten und Komponisten Friedrich Gulda (1930-2000) im Interview dar. Dafür steht die dreiteilige Reihe "Intermezzo", die neben musikalischen Darbietungen prominente Gäste wie den Theologen Arnold Mettnitzer, die Philosophin Lisz Hirn, die Journalistin Alexandra Föderl-Schmid oder Martina Mara, Professorin für Robopsychology in Linz, zum Gespräch lädt.
Das Angebot der Stiftskonzerte sei innovativ. So auch das Projekt "Composers in Residence". In Kooperation mit der Anton Bruckner Privatuniversität wurden drei vierwöchige Residenzen in den Stiften Kremsmünster, St. Florian und Wilhering ausgeschrieben. An jede Residenz ist ein Kompositionsauftrag geknüpft. Die Werke werden im Rahmen der Stiftskonzerte 2026 uraufgeführt. "Wer macht das schon außer uns?", so Gulda dazu. In diesem Jahr arbeiten die jungen Komponisten Peter Trabitzsch, Maria Perez Diez und Asmund Perssonn Odegaard an neuen Kompositionen.
Jugenddebatte "diskriminierend"
Gulda, der auch Generalintendant der Kultur-Standorte der Esterhazy-Stiftung im Burgenland ist, legt Wert darauf, junge Menschen für Musik zu begeistern, wie er betonte. So war er etwa für die von einem jüngeren Publikum gut besuchten FM4-Musikkonzerte im Wiener Konzerthaus mitverantwortlich, wo er 17 Jahre lang tätig war. Die Jugend-Debatte und die Meinung, dass das Publikum für klassische Konzerte überaltert sei und aussterbe, hielt Gulda für falsch und "diskriminierend". "Ich fände es fatal, wenn wir bei all unseren Bemühungen um junges Publikum nur ansatzweise signalisieren, dass uns das ältere Publikum nicht mehr wichtig ist", so der Kulturmanager. Zudem wachse die ältere Altersgruppe überdurchschnittlich an.
Trotz seiner vielen Engagements will Gulda den Stiftskonzerten treu bleiben. Er habe bereits ausdrücklich gesagt, dass er seine Tätigkeit in Oberösterreich weiterführen möchte. Das sei auch vertraglich fixiert. "Und solange mich die Leute hier noch aushalten und es zeitlich möglich ist, möchte ich das auch gerne tun."