Experte: Krieg in Myanmar macht Erdbebenhilfe extrem schwieirg
29.03.202511:49
Myanmar/Kirche/Naturkatastrophe/Krieg
Direktor der Menschenrechtsorganisation Burma Campaign UK, Farmaner, im "VaticanNews"-Interview: "Militär wird niemals genaue Zahlen veröffentlichen" - Militärjunta verhängt Beschränkungen für humanitäre Hilfe, hat aber auch in vielen Landesteilen die Kontrolle verloren
Vatikanstadt, 29.03.2025 (KAP) In Myanmar, das seit Jahren unter politischer Instabilität und Bürgerkrieg leidet, Millionen von Menschen in Flüchtlingslagern leben und durch anhaltende Konflikte vertrieben wurden, stellt die jüngste Naturkatastrophe eine unermessliche Tragödie dar. Das hat Mark Farmaner, Direktor der Menschenrechtsorganisation Burma Campaign UK, am Samstag in einem Interview mit "VaticanNews" betont. Der Bedarf an humanitärer Hilfe sei enorm, doch die bereits bestehenden politischen und logistischen Hürden erschwerten den Zugang zu den Betroffenen. Besonders dramatisch sei die Situation für Menschen in Bambushütten und Flüchtlingslagern an der Grenze zu Thailand, die den Erdstößen schutzlos ausgeliefert waren.
Farmaner wies zudem auf die Schwierigkeiten hin, das tatsächliche Ausmaß der Katastrophe einzuschätzen. "Das Militär wird niemals genaue Zahlen veröffentlichen", erklärt er. Allerdings habe die Junta in vielen Landesteilen die Kontrolle verloren, wodurch sich die Krisenbewältigung als besonders herausfordernd erweise: "Mit mehreren parallel existierenden Verwaltungsstrukturen ist eine koordinierte Reaktion nahezu unmöglich."
Die Katastrophe treffe vor allem die Schwächsten der Gesellschaft - insbesondere Flüchtlinge, die bereits seit Jahren unter den Folgen der Militärdiktatur leiden. Seit dem Putsch von 2021 wurden hunderttausende Menschen vertrieben und leben nun unter prekären Bedingungen. Besonders in den bergigen Regionen Ost-Burmas könnte das Erdbeben zudem langfristig verheerende Folgen haben, da die jährlichen Monsunregen die Gefahr von Erdrutschen zusätzlich erhöhen.
"Wir warten noch auf eine Bestätigung, aber die Lage ist äußerst besorgniserregend", sagte Farmaner. Die Kommunikationssperren, die von der Militärregierung verhängt wurden, erschwerten zudem die Verbreitung von Informationen sowie die Koordination von Hilfsmaßnahmen.
Militär blockiert humanitäre Hilfe
Zusätzlich zur Zerstörung erschwere die Militärregierung die Katastrophenhilfe durch strenge Restriktionen. "Die Junta verhängt einige der weltweit härtesten Beschränkungen für humanitäre Hilfe", erklärte Farmaner. Dies bedeute, dass die Hilfe für die Betroffenen nur langsam ankomme - ein fataler Umstand, wenn tausende Menschen noch unter den Trümmern begraben seien.
Große Teile des Landes würden zudem von Widerstandsgruppen und ethnischen Milizen kontrolliert, die sich gegen die Militärherrschaft stellen. Dort sei es nicht möglich, über offizielle Regierungskanäle zu arbeiten, so Farmaner. In einigen Erdbebengebieten bombardiere die Junta weiterhin Gebiete, die von oppositionellen Gruppen kontrolliert werden - selbst inmitten der Katastrophe. "Daher ist es unwahrscheinlich, dass internationale Hilfsorganisationen bereit sind, Teams in diese Gebiete zu entsenden."
Die Unterstützung müsse kreativ organisiert werden: "Die finanzielle Hilfe muss vor allem über lokale Organisationen erfolgen", erklärte Farmaner. "Man muss mit verschiedenen lokalen Verwaltungen und zivilgesellschaftlichen Netzwerken zusammenarbeiten, um die Menschen zu erreichen."
Rolle der Kirche
Die Kirche könne eine zentrale Rolle bei der Katastrophenhilfe übernehmen, zeigte sich der Experte überzeugt. "Lokale Kirchen haben einen entscheidenden Vorteil", betonte Farmaner. "Das Militär kontrolliert sie weniger streng, sodass sie Zugang zu Gebieten haben, die für internationale Organisationen unerreichbar sind." Vor allem kleine, gemeindebasierte Initiativen könnten daher eine effektivere Hilfe leisten.
Die Tragödie ereignete sich zudem zu einem besonders kritischen Zeitpunkt: Während der Freitagsgebete am Ende des Ramadan waren viele Moscheen gut besucht. "Da die Junta den Bau und die Instandsetzung von Moscheen eingeschränkt hat, waren viele dieser Gebäude strukturell instabil", erklärte Farmaner. Erste Berichte sprechen von zahlreichen Opfern in der muslimischen Gemeinschaft, mit möglicherweise bis zu 50 Toten in einer einzigen Moschee. "Wir warten noch auf eine endgültige Bestätigung dieser Zahlen, aber die Situation ist alarmierend."