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Bild Copyright: © ICO

Syrien: Kirchen und Klöster versorgen Erdbebenopfer

07.02.2023 10:52
(zuletzt bearbeitet am 07.02.2023 um 12:30 Uhr)
Syrien/Kirche/Erdbeben/ICO
Hilfswerk "Initiative christlicher Orient": Viele Menschen verbrachten Nacht in kirchlichen Einrichtungen
Linz/Aleppo, 07.02.2023 (KAP) In Syrien hat das verheerende Erdbeben von Montagfrüh mindestens 1.500 Menschenleben gefordert. Mehr als 3.400 Menschen wurden verletzt. Wie das Linzer Hilfswerk "Initiative Christlicher Orient" am Dienstag mitteilte, sind nun vor allem auch Kirchen und Klöster gefordert, den Opfern zu helfen. Viele Menschen hätten die Nacht in kirchlichen Einrichtungen verbracht, da ihre Wohnungen entweder zerstört sind oder sich die Menschen aus Angst vor Nachbeben nicht zurück trauen.

In der von der ICO unterstützten katholischen Pfarre St. Franziskus in Aleppo hätten beispielsweise mehr als 500 Menschen Zuflucht gefunden und die Nacht verbracht. Versorgt wurden die Menschen durch die Sozialküche der Pfarre. Viele Menschen hatten auch schon den ganzen Montag über im Freien verbracht - bei Regen und beißender Kälte. In den öffentlichen Parkanlagen hätten sie sich mit Decken und Plastikplanen notdürftig vor der Kälte und Nässe zu schützen versucht.

Auch die Kirchen haben freilich Opfer zu beklagen. Beim Einsturz eines Gebäudes der melkitischen Kirche in Aleppo kamen ein Priester, eine Frau und ihr Kind ums Leben. Der melkitische Erzbischof Jean-Clément Jeanbart wurde verletzt.

In der Ortschaft Jablé in der Nähe von Lattakia an der Küste ist ein Gebäude eingestürzt, in dem eine ärztliche Gemeinschaftspraxis untergebracht war. Vier Ärzte kamen dabei ums Leben. Die Ärzte arbeiteten mit der lokalen ICO-Partnerorganisation People of Mercy zusammen. Damit werde die ohnehin schon schlechte medizinische Versorgung der Bevölkerung noch schwieriger, beklagte die ICO. (Infos und Spenden: www.christlicher-orient.at bzw. www.facebook.com/initiativechristlicherorient)

"Die Menschen hier sind alle Helden"

Im Interview mit den "Salzburger Nachrichten" (Dienstag) sagte der Obere des Franziskanerklosters in Aleppo, P. Bahjat Karakach, dass die Kirche weiter offen sein werde für alle Opfer. "Die Menschen bekommen hier einen Platz zum Schlafen, bekommen in unserer Suppenküche etwas zum Essen. Aber wir müssen erst einmal eine Strategie finden, wie wir mit der Situation umgehen. Bis jetzt hatten wir keine Zeit nachzudenken, wir waren alle unter Schock", so der Ordensmann wörtlich.

Im Blick auf die Bergungsarbeiten sagte P. Bahjat, dass die Arbeiten aufgrund fehlender professioneller Voraussetzungen sehr schwierig seien. Dazu komme das schlechte Wetter: "Es hat sehr viel geregnet und es ist sehr kalt hier. Ich befürchte, dass viele Menschen tot unter den Trümmern liegen." Ein Problem sei auch, dass viele Gebäude schon durch den Krieg beschädigt waren und deshalb besonders einsturzgefährdet seien.

Der Ordensmann wies auf die humanitäre Krise in Aleppo hin, die es auch schon vor dem Erdbeben gab und die nun nochmals verstärkt wird: "Die Menschen hier sind alle Helden. Sie leben mit all diesem Leid. Es ist schwer, hier Hoffnung zu finden. Denn die Situation ist sehr kritisch hier, viele Menschen hier in Aleppo wollen raus aus der Stadt, raus aus dem Land. Sie sehen kein Licht am Horizont. Aber aktuell stehen sie einfach nur unter Schock."

Er hoffe sehr, so der Franziskaner, "dass diese Katastrophe die internationale Gemeinschaft wachrüttelt, dass sie erkennt, dass wir eine Lösung in Syrien brauchen. Denn unter den Sanktionen leiden vor allem die armen Menschen." Er wisse um die komplizierte Situation im Blick auf Syrien, "dennoch ist es wichtig, dass die internationale Gemeinschaft nun nach Syrien blickt".

Dramatische humanitäre Lage

Im allgemeinen Chaos würden viele Menschen in Syrien Zuflucht in den Kirchen suchen, in der Erwartung, humanitäre Hilfe zu erhalten. Das betonte am Dienstag auch der Wiener melkitische Priester Hanna Ghoneim. Er stammt aus Syrien und ist im Rahmen des Hilfswerks "Korbgemeinschaft" regelmäßig in Syrien unterwegs. Erst vor zwei Tagen ist er von einem Hilfseinsatz zurückgekommen. "Das Ausmaß des Schadens ist im Moment schwer abschätzbar. Die Panik sitzt allen noch in den Knochen", so Ghoneim. Das Erdbeben mache die humanitäre Lage in Syrien noch schlimmer: "Kein Strom, keine Heizung, Obdachlosigkeit. Und auch der Verkehr ist beeinträchtigt." (Infos: www.korbgemeinschaft.at)
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