Leo XIV. bei Generalaudienz: Alles tun, um einen neuen Rüstungswettlauf zu verhindern, der den Frieden weiter gefährdet - Warnung vor "Logik der Angst und des Misstrauens"
Vatikanstadt, 04.02.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat für eine Fortsetzung des Atomwaffenvertrags "New Start" zwischen den USA und Russland geworben. Das Abkommen, das die nukleare Aufrüstung beider Staaten begrenzt, läuft am Donnerstag aus. "Ich bekräftige meine Unterstützung für alle konstruktiven Bemühungen um Abrüstung und gegenseitiges Vertrauen und fordere eindringlich dazu auf, dieses Instrument nicht fallen zu lassen, ohne zu versuchen, ihm eine konkrete und wirksame Fortsetzung zu gewährleisten", sagte der Papst am Mittwoch im Vatikan.
"Die aktuelle Situation erfordert, dass alles getan wird, um einen neuen Rüstungswettlauf zu verhindern, der den Frieden zwischen den Nationen weiter gefährdet", so Leo XIV. während seiner wöchentlichen Generalaudienz. "Es ist äußerst dringend, die Logik der Angst und des Misstrauens durch eine gemeinsame Ethik zu ersetzen, die in der Lage ist, Entscheidungen zum Wohl der Allgemeinheit zu lenken und den Frieden zu einem von allen geschützten Gut zu machen."
Erst am Dienstag hatte auch die katholische Bischofskonferenz der USA nachdrücklich vor dem Auslaufen der 2010 vereinbarten Begrenzung der Nuklearsprengköpfe gewarnt. Angesichts wachsender globaler Spannungen, darunter insbesondere der verheerende Krieg in der Ukraine, sei das Ende des "New Start"-Vertrags "schlicht inakzeptabel", erklärte ihr Vorsitzender, Erzbischof Paul S. Coakley.
Der 2010 unterzeichnete Vertrag begrenzt die Zahl der einsatzbereiten strategischen Nuklearwaffen beider Staaten auf jeweils 1.550 Sprengköpfe und sieht gegenseitige Kontrollen sowie den Austausch von Informationen vor. Die ursprünglich auf zehn Jahre angelegte Vereinbarung war zuletzt bis zum 4. Februar 2026 verlängert worden. Eine weitere Verlängerung oder ein Nachfolgeabkommen gelten derzeit als unwahrscheinlich.
Weiters rief Papst Leo XIV. bei der Generalaudienz zum Gebet für die Ukraine auf, insbesondere für die von der großen Kälte und der gezielten Zerstörung der Energieinfrastruktur betroffenen Menschen. "Ich bedanke mich für die Solidaritätsinitiativen, die in den katholischen Diözesen in Polen und anderen Ländern ins Leben gerufen wurden, um der Bevölkerung in dieser Zeit der großen Kälte zu helfen", ergänzte er.
Kontext der Bibel berücksichtigen
Zu Beginn der Audienz hatte Leo XIV. über das korrekte Verständnis von Bibeltexten referiert. Dabei betonte er die Notwendigkeit, den historischen Kontext und die literarischen Gattungen der Texte zu berücksichtigen. Zudem gelte es, bei ihrer Auslegung sowohl die göttliche als auch die menschliche Dimension zu beachten.
Für den Umgang mit der Heiligen Schrift wie für die Verkündigung der katholischen Kirche gelte: "Wenn sie den Kontakt zur Realität, zu den Hoffnungen und Leiden der Menschen verliert, wenn sie eine unverständliche, wenig kommunikative oder anachronistische Sprache verwendet, ist sie wirkungslos", so der Papst. "In jeder Epoche ist die Kirche aufgerufen, das Wort Gottes in einer Sprache wiederzugeben, die sich in der Geschichte verkörpern und die Herzen erreichen kann."